Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

(GL Eigenteil Freiburg-Rottenburg 803 mit leichten Abweichungen)

Musik 1: W. A. Mozart: Vorspiel zur Arie „Ein Mädchen oder Weibchen“ aus der
Oper „Die Zauberflöte“ (Takt 1–8)

Diese Musik stammt aus Mozarts „Zauberföte“, und sie hat Ohrwurm-Qualitäten. Sie heißt: „Ein Mädchen oder Weibchen wünscht Papageno sich“. Diese Melodie stand Pate beim Lied zum heutigen Sonntag. Es heißt „Wir singen jubelnd, dass er lebt“. Vor gut 200 Jahren ist es in Konstanz entstanden. Der Autor ist Ignaz Heinrich von Wessenberg. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts managt er das große Bistum Konstanz als Generalvikar. Er ist aufgeklärt und fromm zugleich und liebt die schönen Dinge des Lebens. Und auf der Suche nach eingängigen Melodien für neue Kirchenlieder kommt ihm Mozarts Papageno-Arie gerade recht.

Musik 2  Arie „Ein Mädchen oder Weibchen“ (Zauberflöte, Takt 9–20)

Ein Mädchen oder Weibchen wünscht Papageno sich!

O so ein sanftes Täubchen wär Seligkeit für mich!

Ich stelle mir den Konstanzer Kirchenmann Wessenberg vor, wie er an diesem Osterlied tüftelt und feilt. Vor ihm die Arie aus der „Zauberflöte“: „Ja“, denkt er, „das wäre doch fein, wenn Mozart einen Platz in unserem Gesangbuch bekommen würde. Vielleicht würden die Menschen in meinem Bistum dann auch endlich besser mitsingen.“ Wessenberg setzt seine Pläne um. Er vereinfacht die Melodie, und das neue Osterlied ist vollendet.

Musik 3 : Osterlied „Wir singen jubelnd, dass er lebt“ (Strophe 1) 

Wir singen jubelnd, dass er lebt und auferstanden ist,

dass er in unsrer Mitte schwebt und ewig bei uns ist.

Werfen wir noch einen zweiten Blick in die Konstanzer Lied-Werkstatt. Auf dem Schreibtisch von Wessenberg liegen – neben Mozarts Zauberflöten-Arie – vielleicht auch die jüngst erschienenen „Geistlichen Lieder“ des Dichters Novalis. Dieser Romantiker wird zum zweiten Paten unseres Osterliedes. Eines seiner Gedichte beginnt so: „Ich sag es jedem, dass er lebt und auferstanden ist.“ Wessenberg macht aus dem romantischen „Ich“ einfach ein kirchliches „Wir“: „Wir singen jubelnd, dass er lebt“. Die zweite Strophe bekräftigt dann, dass wirklich alles in österliches Licht getaucht ist. Sogar das Leid ist verbannt, in die Tiefen des Meeres.

Musik 4 : Vorspiel und Osterlied „Wir singen jubelnd, dass er lebt“ (Strophe 2)

Hinunter in das tiefe Meer versank des Todes Graun,

und jeder, wenn er tot auch wär, wird seinen Heiland schaun.

Am Ende gibt das Lied für einen Moment den bitteren Erfahrungen Raum. Verlassen zu sein ist eine solche Erfahrung. Jesus hat das am Karfreitag erlebt. Heute will er bei uns sein, selbst „wenn alles uns verlässt“.

Musik 5 : kurzes Zwischenspiel

Das letzte Wort unseres Liedes ist merkwürdig. Es heißt „Weltverjüngungsfest“. Im Licht der Auferstehung scheint die Welt jünger geworden, wieder näher an ihrem guten Ursprung. Aber wie soll die Welt – oder womöglich ich selbst – denn jünger werden, anstatt älter? Mir gelingt das, wenn der alte Trott in den Hintergrund rückt und ich Neues zulassen kann. Dann kann Vertrauen wachsen und die Angst weichen. Oder der Funke springt einfach über, so wie vor 200 Jahren, als dem Konstanzer Generalvikar Ignaz Heinrich von Wessenberg in einer inspirierten Stunde aus Mozart und Novalis dieser österliche Ohrwurm vom „Weltverjüngungsfest“ gelungen ist.

Musik 6 : Vorspiel und Osterlied „Wir singen jubelnd, dass er lebt“ (Strophe 4)

Er lebt und wird auch bei uns sein, wenn alles uns verlässt,
und so wird dieser Tag uns sein ein Weltverjüngungsfest.

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