Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

 (GL 318, EG 99)

Durch den Frühnebel huschen zwei Gestalten: Maria von Magdala und ihre Freundin. Sie wollen nach dem Grab Jesu sehen. Doch im schummrigen Morgenlicht geschieht etwas Seltsames: Ein Engel kommt vom Himmel und wälzt den Verschluss-Stein des Grabes weg. Und dann sagt er den Frauen in ganz einfachen Worten eine ungeheuerliche Botschaft, die bis heute wirkt: „Er ist auferstanden.“  

(Einspielung Stimmwerck / Praetorius, 1. Strophe)

Unser Lied zum heutigen Ostersonntag ist so schlicht wie schön. Es ist das älteste deutsche Kirchenlied, denn bereits um das Jahr 1150 wurde es in Salzburg nachgewiesen. Sowohl im evangelischen Gesangbuch als auch im katholischen Gotteslob ist es als erstes Osterlied abgedruckt. Und das völlig zu Recht, denn das Lied spricht von der Hoffnung, die unseren Glauben trägt: Christ ist erstanden. 

Die Dimension dieser drei Worte ist so gewaltig, dass es manchmal schwer fällt, wirklich daran zu glauben. Sterbende oder Angehhörige von Todkranken sind existentiell bedroht. Da bleibt wenig Raum, auf die Auferstehung zu hoffen. Auch für mich klingt es manchmal zu abstrakt oder zu fantastisch, als dass ich es voll verinnerlicht hätte. Aber wenn es stimmt, dass Christus erstanden ist – und das glaube ich – dann ist der Tod nicht mehr so mächtig und schrecklich. Denn am Ende steht nicht das Ende, sondern Erlösung. Ich werde davon erlöst, dass mir etwas Schmerzen bereitet, dass ich nicht mehr so kann, wie ich eigentlich möchte, dass ich traurig bin, meine Lieben zu verlieren. Sicher, Gott erspart mir nicht Schmerz und Trauer, aber er zeigt eine Perspektive, auf die ich hoffen kann.

(Einspielung Credo unplugged mit Einblende)

(Einspielung Credo unplugged, 1. Strophe)  

Wem dieser große Glaube schwer fällt, für den hält das Leben immer wieder kleine Auferstehungen parat. So etwas wie Metaphern für die große Auferstehung. Dinge, an denen ich ablesen oder ahnen kann, wie sich auferstehen anfühlen könnte:

  • kleine lila Blümchen, die sich einen Weg zwischen Betonplatten durchbahnen
  • eine Schulfreundin wiedertreffen, die man schon verloren geglaubt hatte
  • etwas hinkriegen, was ich nie mehr gedacht hätte: aufhören zu rauchen oder gehen lernen nach einem schweren Unfall
  • Schmerz, der langsam aber stetig nachlässt
  • wie leicht es sich anfühlt, wenn ich eine schwierige Aufgabe hinter mir habe  

 

Das sind kleine Hinweise, wie sich auferstehen anfühlen könnte. Aber die echte Auferstehung muss gewaltiger sein. Der Schweizer Pfarrer und Schriftsteller Kurt Marti hat versucht, es in seinem „Neuen Osterlied“ so zu formulieren:

es kommt eine auferstehung

die anders ganz anders wird

es kommt eine auferstehung die ist

der aufstand gottes gegen die herren

und gegen den herrn aller herren: den tod

(Kurt Marti, Leichenreden, Nagel und Kimche Verlag, Frauenfeld 2001) 

Und so steht es in der Bibel in der Offenbarung des Johannes: „Gott selbst wird bei den Menschen wohnen. Und er wird alle Tränen abwischen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, und kein Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein.“ – Wenn das kein Grund für ein österliches Halleluja ist!

 (Einspielung Credo unplugged, 3. Strophe) 1

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