Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

GL 446; EG-Bayern-Thüringen 588; EG-West [Rheinland, Westfalen, Lippe-Detmold, Reformierte Kirche] 605) 

Egal, was ich mache, es gibt notwendige Schritte, die ich dafür gehen muss. Wenn ich ein Geschäft gründe, mein Testament schreibe, einkaufen gehe. Immer muss ich überlegen, was genau zu tun ist.

Oft genug sind mir die notwendigen, die nötigen Schritte vertraut. Zum Bäcker gehen, das kann ich im Schlaf. Dann aber gibt es Dinge, bei denen ich gut überlegen muss, wie ich sie angehe. Ich habe eine blöde Bemerkung gemacht und möchte mich entschuldigen. Ich möchte ehrlich sein und weiß, dass ich damit einen anderen verletzte. Da muss ich nachdenken, wie ich das am besten mache. Welche Schritte nötig sind. Von diesen nötigen Schritten singt auch das Lied Lass uns in deinem Namen, Herr. 

1  Lass uns in deinem Namen, Herr, die nötigen Schritte tun. / Gib uns den Mut, voll Glauben, Herr, / heute und morgen zu handeln. 

 

Text und Musik stammen von Kurt Rommel (1926-2011). Ein Tausendsassa: Der evangelische Pfarrer erfand den Kinogottesdienst, ließ bereits 1962 Bands im Gottesdienst auftreten und schrieb zig Bücher zu religiösen Fragen. Er verfasste über 800 Lieder und an die 1000 Kanons. Sein Anliegen: In einer ganz normalen, alltäglichen Sprache von Gott und dem Glauben sprechen. Und so finden sich in seinen Texten Redewendungen wie „jemandem eine Brücke bauen“ oder eben auch „nötige Schritte“. Rommel verknüpft diese alltägliche Sprache mit zentralen Fragen des Glaubens. Zum Beispiel: Wie kann ich richtig handeln?

 2  Lass uns in deinem Namen, Herr, die nötigen Schritte tun. / Gib uns den Mut, voll Liebe, Herr, heute die Wahrheit zu leben. 

Eine Antwort auf die Frage nach dem richtigen Handeln findet Rommel in den sogenannten theologischenoder göttlichen Tugenden. Glaube, Liebe, Hoffnung. Tugenden, das sind keine konkreten Gebote oder Verbote. Tugenden stehen für zentrale Einstellungen und Haltungen eines Menschen. Sie beschreiben die Art und Weise, wie ich mit mir, mit anderen, wie ich mit Gott und der Welt umgehe. Schon in seinem Hohelied der Liebe schreibt Paulus: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, am größten jedoch unter ihnen ist die Liebe.” (1 Kor 13,13) Rommel knüpft hier an. 

3  Lass uns in deinem Namen, Herr, die nötigen Schritte tun. / Gib uns den Mut, voll Hoffnung, Herr, heute von vorn zu beginnen.

Glaube, Liebe, Hoffnung. Diese Tugenden lese ich so: Es gibt nicht für alles ein Rezept. Konkrete Situationen unterscheiden sich, sind einzigartig. Ich muss in der konkreten Situation herausfinden, was die nötigen Schritte sind. Wie muss ich die Wahrheit sagen? Wann muss ich eingreifen? Wann muss ich einen Schlussstrich ziehen und neu anfangen? Wann muss ich anderen oder mir verzeihen? Es geht also vor allem darum, in welchem Geist ich handle. Das Lied Lass uns in deinem Namen, Herr gibt eben auch keine Anweisung. Aber es macht einen Vorschlag. Es sagt: Tu die nötigen Schritte im Geist Jesu. Und das heißt: Egal, was du tust, werde Mensch, ein menschlicher, ein menschenfreundlicher Mensch voll Glaube, Liebe, Hoffnung. 

4  Lass uns in deinem Namen, Herr, die nötigen Schritte tun. / Gib uns den Mut, voll Glauben, Herr, mit dir zu Menschen zu werden. 

 

 

Lass uns in deinem Namen

Text und Musik: Kurt Rommel (1964)

Chor der Schülerinnen und Dozentinnen des Instituts für Kirchenmusik, Mainz

In: Eingeladen zum Fest des Glaubens. 63 neue und alte Lieder für den Gottesdienst. Institut für Kirchenmusik (Hg.), Mainz

BM 1299 / CD 2, Track 31 (1:42)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=26094