Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

Das Lied, das ich heute vorstellen möchte, kommt mir vor wie ein altes Fotoalbum: „Lass uns den Weg der Gerechtigkeit gehn:“ In den 1980 er Jahren war mir das Lied sehr wichtig, ich habe es oft gesungen. Damals zur Hochzeit der Friedensbewegung. Aber dann ist es ihm ergangen wie Fotoalben von schönen Urlauben oder großen Familienfeiern. Es ist ins Regal gekommen und etwas eingestaubt. Trotz der wertvollen Erfahrungen und Erinnerungen, die es trägt.
Aber: Wie ein Fotoalbum kann ein Lied auch wieder lebendig werden, wenn wieder wichtig wird, was darin aufgehoben ist. So geht es mir mit „Lass uns den Weg der Gerechtigkeit gehn“.
In den 1980er Jahren; als Ost und West atomar massiv aufgerüstet haben, haben wir als Christen in der Friedensbewegung uns Mut zugesungen. Um einzutreten für eine Welt mit weniger Atomwaffen. Und heute? Atomwaffen werden wieder weltweit erneuert. Hoffentlich auch unser Mut.

Musik 1  „Lass uns den Weg der Gerechtigkeit“

Lass uns den Weg der Gerechtigkeit gehn. /
Dein Reich komme, Herr, dein Reich komme.
1. Dein Reich in Klarheit und Frieden, Leben in Wahrheit und Recht. /
Dein Reich komme, Herr, dein Reich komme.

 „Dein Reich komme, in Klarheit und Frieden, in Wahrheit und Recht.“ Eigentlich bete ich, wenn ich dieses Lied mitsinge. Intensiver vielleicht, als wenn ich spreche. Das Lied nimmt die Bitte Jesu aus dem Vater Unser auf „Dein Reich komme“ und beschreibt, was das meint: Frieden, Wahrheit, Recht.
Ziemlich säkulare Worte, spezifisch religiös klingen sie jedenfalls nicht.

Aber so wie ich Jesus verstehe, ist das auch sehr stimmig. Das Reich Gottes beginnt hier und jetzt, hat er erzählt. Er hat nicht auf ein weltfernes „Jenseits“ gewartet und nicht darauf vertröstet. Sondern erzählt und gelebt, dass mit ihm die erneuerte Welt anfängt, in der „Gerechtigkeit und Frieden sich küssen.“ So wird sie knapp und sinnlich in einem Psalm im Alten Testament beschrieben.

Musik 2  „Lass uns den Weg“         

2. Dein Reich des Lichts und der Liebe lebt und geschieht unter uns. /
Dein Reich komme, Herr, dein Reich komme.

„Dein Reich komme.“ Ungeduldig erinnert das Lied daran, dass eine friedlichere Welt und gerechtere Welt nicht warten kann. Sie soll wirklich werden. Auch indem ich und andere uns auf den Friedensweg machen. Auf dem Waffen- und Kriegspfad sind zu viele. Das Lied wird darum sehr persönlich. Die Sehnsucht nach einer friedlicheren Welt ist nicht „gefühlig“, sondern praktisch. Eine Aufforderung für den Alltag.

Musik 3     Lass uns den Weg                 
Lass uns den Weg der Gerechtigkeit gehen, lass ihn uns gehn

Ursprünglich ist das Lied in Spanisch entstanden. In den 1960er Jahren als Teil einer Messe. Ich spüre das in der letzten Strophe besonders. „Wege durch Leid und Entbehrung führen in Dein Reich.“ Gern höre ich so etwas nicht. Es liegt eher überkreuz mit einem Zeigeist, in dem ich es auch als Christ gern leicht und bequem hätte. Aber das macht dieses Lied so aktuell: Es erneuert die alte Erfahrung: Eine friedlichere Welt mit weniger Waffen und Gerechtigkeit bekommt man nicht geschenkt. Gott möge dazu helfen.

Musik 4 „Lass uns den Weg“         

3. Wege durch Leid und Entbehrung führen zu dir in dein Reich. /
Dein Reich komme, Herr, dein Reich komme.

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Musiken 1-4 „Lass uns den Weg der Gerechtigkeit gehen“     

SWR Archiv Musikarchiv  M047 2059  019
Coro Piccolo   Ltg Christian Markus Raiser

Originaltext: »Anunciaremos tu reino Senor«, Maria Pilar Figuera (1965)
Dt. Text: Diethard Zils, Christoph Lehmann (1983)
Melodie: Christóbal Halffter Jiménez (1965); aus »misa de la juventud

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