Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

Eine Melodie schwebt durch die Zeiten. Bis sich irgendwann ein Text findet, der sich mit ihr verbindet. Die Melodie des Chorals „Von Gott will ich nicht lassen“ ist so ein „Zugvogel“.

Vor über fünfhundert Jahren in Italien entstanden, gehörte sie zunächst zu einem Volkslied. Der Text des Liedes erzählt von einem Mädchen, das Nonne werden soll. Weil die Eltern arm sind und ihr keine Mitgift bieten können. „Mutter, mach keine Nonne aus mir...“ so heißt es in der Übersetzung aus dem Italienischen.

Musik 1: Madre, non mi far monaca

Die populäre Melodie wurde dann im Laufe der Zeit von vielen Komponisten aufgegriffen, in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen. Kirchlichen wie weltlichen.Über einige Umwege ist sie schließlich in das evangelische Kirchengesangbuch gekommen. Mit einem Text aus dem Jahr 1563. Von Ludwig Hembold, einem Dichter und Gelehrten aus Thüringen. Sein Text liest sich wie ein Reisegebet. Die erste Strophe nimmt die Straßen und Wege in Blick, auf denen Menschen - nicht nur im Urlaub - unterwegs sind.

Innig wird dabei die Verbindung zwischen Gott und Mensch dargestellt. Wie zwischen zwei Tanzenden, die miteinander durch´s Leben tanzen: „Von Gott will ich nicht lassen, denn er lässt nicht von mir... Er reicht mir seine Hand, den Abend und den Morgen tut er mich wohl versorgen, wo ich auch sei im Land“.

Musik 2:
Von Gott will ich nicht lassen 
Von Gott will ich nicht lassen,
denn er lässt nicht von mir, führt mich durch alle Straßen,
da ich sonst irrte sehr. Er reicht mir seine Hand,
den Abend und den Morgen tut er mich wohl versorgen,
wo ich auch sei im Land.

Manchmal liegt etwas in der Luft, ein Klang, eine Melodie. Johann Sebastian Bach in seiner Zeit hat die Chance ergriffen und die Melodie, die ihm zuschwebte, zu unvergänglicher Musik gemacht. Mich wird das Lied durch den Sommer begleiten. Gott und Mensch in tänzerischer Zuwendung! Der eine, der vom anderen nicht lassen will. Durch den Sommer des Lebens hindurch. Und einem guten Ziel entgegen.

So wie es in der nächsten Strophe heißt: „Darum, ob ich schon dulde hier Widerwärtigkeit..., kommt doch die Ewigkeit, ist aller Freuden voll.“ In diesem Sinne: ich wünsche Ihnen eine erholsame Sommerzeit und ein gutes Ankommen. Wohin auch immer Sie unterwegs sein mögen.

Musik 3  
Darum, ob ich schon dulde
Darum, ob ich schon dulde hier Widerwärtigkeit,
w
ie ich auch wohl verschulde, kommt doch die Ewigkeit,
i
st aller Freuden voll, die ohne alles Ende,
und, weil ich Christus kenne,
mir widerfahren soll.

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Musik 1 CD: „In Paradiso“ mit Raquel Andueza, 2012 Anima e Corpo Música, S.L.
Track 1: Madre, non mi far monaca

Musik 2 und 3
CD: Ein Choralbuch für Johann Sebastian Bach, Gächinger Kantorei & Bach-Collegium Stuttgart, MM 4093-2, Track 1, Hänssler Verlag, 2000
 

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