Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

GL 322  

Halleluja, halleluja, halleluja.

Halleluja. Überall in den Kirchen und Gottesdiensten erklingt heute dieser alte hebräische Ruf. „Preiset den Herrn“ heißt er übersetzt und es gibt kaum ein Osterlied, in dem er nicht vorkommt.

So auch im heutigen Lied zum Sonntag: „Ihr Christen, singet hocherfreut!“ Grundlage für dieses Lied ist ein lateinischer Hymnus aus dem 15. Jahrhundert. Zusammen mit der spät-gregorianischen Melodie ist dieses Lied in Frankreich damals in kürzester Zeit sehr beliebt geworden. Eine übersetzte Version hat sich auch bei uns in Deutschland verbreitet: 

Ihr Christen, singet hocherfreut; der Herr der ewgen Herrlichkeit ist von dem Tod erstanden heut. Halleluja. 

Ihr Christen, singet hocherfreut! Mit dieser Aufforderung beginnt das Lied und dann folgt in insgesamt zwölf Strophen, warum wir uns freuen können: Jesus ist von den Toten auferstanden. Diese Botschaft macht den christlichen Glauben aus. Und viele Menschen freuen sich deshalb über das Osterfest. Gleichzeitig merke ich immer wieder, wie schwer es ist, diesen Glauben in Worte zu packen. Gut zu wissen, dass es den ersten Christen ähnlich ging. Auch sie konnten das, was geschehen war, nicht so recht fassen. 

Die Frauen kamen zu dem Ort, sie wollten Jesus salben dort: „Wer wälzt den Stein vom Grabe fort?“ Halleluja. 

Von österlicher Freude ist in dieser Strophe noch nichts zu spüren. Die Frauen, die mit Jesus damals unterwegs waren, sind alles andere als in Feierlaune. Ihr Freund ist gestorben und sie sind ratlos. Was sie noch tun können, ist, den toten Körper zu salben. So war es damals Brauch. Und deshalb machen sie sich Gedanken, wie sie den Stein, der vor der Grabhöhle liegt, weg bekommen.

Aber es kommt anders. Als die Frauen ans Grab kommen, sagt ihnen ein Engel, dass sie vom Grab weggehen sollen: zurück nach Galiläa, in ihren Alltag. Bestimmt hat sich eine der Frauen gefragt: Wie soll das gehen? Weitermachen, als ob nichts geschehen wäre? Doch der Engel schickt die Frauen nicht ohne ein unglaubliches Versprechen zurück. Ein Versprechen, das alles verändern wird: sie werden Jesus, den Meister sehen! 

„Bleibt nicht beim leeren Grabe stehn, ihr sollt nach Galiläa gehen. Dort werdet ihr den Meister sehn.“ Halleluja. 

Das Grab – es ist für mich ein Bild für all die Dinge, die mich vom Leben wegbringen: für das Dunkel quälender Sorgen, die Enge des Alltags und für den Tod.

Die Frauen, sie trauen der Aufforderung des Engels. Sie lassen das Grab hinter sich. Und sie erfahren, dass Leben möglich ist. Jesus lässt sie nicht allein mit ihrer Trauer, ihrer Angst und ihren Sorgen. Er ist bei ihnen. Auch nach seinem Tod. Und wie in der Bibel berichtet auch das Lied in den folgenden Strophen, wie Jesus sich seinen Freunden immer wieder zeigt – mitten im Alltag.

Dass dieser Jesus auch mir, in meinem Leben, entgegenkommt, erlebe ich zum Beispiel durch andere Menschen, die bei mir sind, wenn ich nicht mehr weiter weiß. Die meine Zweifel und meine Fragen aushalten. Und gerade deshalb finde ich es gut, dass zwischen jeder Strophe der Ruf „Halleluja“ kommt. Die Osterbotschaft mag sperrig und unaussprechlich sein, und trotzdem ist da die Hoffnung, dass der Tod nicht mehr das Ende ist. Es ist eine Freude, die weiß, dass es das Schwere und den Tod gibt und die mich trotzdem immer wieder „Halleluja“ singen lässt. 

Halleluja, halleluja, halleluja. 

 

(Musikeinspielung aus: Lied „Halleluja – Ihr Christen, singet hocherfreut“
Chormusik zum Gotteslob – Carus 2.160/99 Münchner Dommusik
GL 322 – „Halleluja…Ihr Christen, singet hocherfreut“ Text: nach einer Übersetzung des lateinischen „o filii et filiae“ von Jean Tisserand vor 1494 durch Christoph Moufang 1865,
Musik: nach Paris 1623)

 

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