Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

Dieser Halleluja-Ruf wird im Volksmund „irisches Halleluja“ genannt. Vielleicht, weil die Melodie so irisch klingt. Eine Fiddle oder Blechflöte würden bestimmt wunderbar dazu passen. Vielleicht aber auch, weil der Komponist ein waschechter Ire ist – obwohl lange völlig unklar war, von wem die Melodie stammt. 

Der englische Kirchenmusiker Christopher Walker hat in den frühen 80er Jahren diesen Halleluja-Ruf in Nordengland aufgeschnappt. Niemand konnte ihm sagen, woher er stammt. Walker war so fasziniert von der Einfachheit und Fröhlichkeit der Melodie, dass er sie auf einen Zettel notiert und mit heim nach Bristol genommen hat. Dort hat er das Stück arrangiert und oft im Gottesdienst gespielt. 

Ein paar Jahre später hat ein irischer Freund von Walker das Stück erkannt und konnte ihm sagen, dass es der irische Musiker Fintan O´Carroll komponiert hat. Fintan O´Carroll war aber bereits 1981 gestorben und hat gar nicht mehr erlebt, wie sich sein irisches Halleluja über die ganze Welt verbreitet hat.

Einspielung Musik  

Wenn ich an „Halleluja“ denke, dann muss ich unwillkürlich an die Geschichte vom „Münchner im Himmel“ denken: Ein verstorbener bayrischer Grantler kommt in den Himmel und erhält den Namen „Engel Aloisius“ verpasst. Statt seiner gewohnten Maß Bier kriegt er allerdings nur Manna, fades Himmelsbrot, serviert. Missmutig kommt der Engel Aloisius seinen Engelspflichten nach: Frohlocken muss er und Halleluja singen. Dabei verkommt sein Halleluja zu einem mürrischen „Luja!“. 

Das passt natürlich überhaupt nicht zum Text und zum Sinn des Hallelujas. Übersetzt heißt es nämlich „Preiset Gott!“ und sollte ein Jubelruf sein - so etwas wie überschäumende Freude. 

Joseph Ratzinger hat das Halleluja in einem seiner frühen Aufsätze sogar mal mit dem Jodeln verglichen. Jodeln, so Ratzinger, sei das wortlose Ausströmen einer Freude, die zu groß ist, um sie in Worte zu fassen. Und wem sollte ein solcher Gesang gewidmet sein, wenn nicht dem, der sich nicht in Worte fassen lässt, nämlich Gott! Und weiter schreibt Ratzinger: „Wenn von den Engeln gesagt wird, dass sie Halleluja singen, soll das einfach ein Bild dafür sein, dass ihr ganzes Wesen von Freude durchdrungen ist“. 

„Von Freude durchdrungen“ – für das irische Halleluja passt das so richtig gut. Vom Engel Aloisius kann man das allerdings nicht gerade behaupten. Aber hätte der gewusst, dass mit Halleluja-Singen auch alpenländisches Jodeln gemeint sein kann, vielleicht wäre er dann etwas versöhnlicher seinen Engelspflichten nachgekommen. 

Halleluja – preiset den, der sich mit Worten nicht beschreiben lässt, einfach mit einem Wort. Und mit einer schönen irischen Melodie.  

Einspielung Musik

 

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