Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

Welche Lieder passen in eine Welt voller Krieg und Gewalt? Lieder, die nicht zum Kampf aufrufen, aber auch nicht  einfach einen großen Bogen um das Thema machen? Diese Verse fielen 1963 einem jungen evangelischen Pfarrer aus der DDR ein:

Es wird sein in den letzten Tagen,
so hat es der Prophet geschaut,
da wird niemand Waffen mehr tragen,
deren Stärke er lange vertraut.
Schwerter werden zu Pflugscharen,
und Krieg lernt keiner mehr.
Gott wird seine Welt bewahren
vor Rüstung und Spieß und Speer.
Auf, kommt herbei!
Lasst uns wandeln im Lichte des Herrn!

Walter Schulz – so hieß der junge Pfarrer – hat sich dabei von einer Vision des Propheten Jesaja inspirieren lassen: „Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln.“

In New York hatte Schulz eine Skulptur gesehen, die das Bild des Propheten darstellt: Ein Mann schmiedet ein Schwert zu einer Pflugschar um. Ausgerechnet die atheistische Sowjetunion hatte der UNO diese Statue geschenkt!

Die Melodie zu dem Lied stammt ebenfalls noch aus der DDR. Manfred Schlenker hat sie 1985 geschrieben. So beschreibt er sie selbst: „Um jegliche Militanz auszuschließen, schwingt die Melodie im 6/4-Takt.“

Musiktitel 1:  
Schulz, Walter; Schlenker, Manfred:
Es wird sein in den letzten Tagen
Gabriel, Thomas, Gesang; Instrumentalensemble
Deutsches Liturgisches Institut DLI 7133

Ein Friedenslied. Mitten in einer Kriegswelt. Wie sehr wir Menschen uns auch um Frieden bemühen – irgendwo auf der Welt ist immer Krieg.

Doch einmal wird das anders sein. So hat es der Prophet Jesaja gesehen. Gott greift auf, was in der Welt vorhanden ist, und macht daraus etwas Neues.

Doch wie realistisch ist das? Das hat sich auch der junge Pfarrer aus der DDR vor über 50 Jahren gefragt. Wenige Monate zuvor hätte auf Kuba fast der Dritte Weltkrieg begonnen. Es wäre ein Atomkrieg geworden. Vielleicht das Letzte, was die Menschen überhaupt getan hätten.

Heute stehen wir hilflos vor dem schrecklichen Krieg in Syrien. Schulen und Krankenhäuser werden bombardiert, und zwar gezielt. Millionen sind vor diesem Schlachten und Morden geflohen. Auch bis zu uns. Gibt es Hoffnung? Werden wir aus all den furchtbaren Waffen unserer Zeit einmal etwas Nützliches bauen?

Der Prophet malt uns ein Hoffnungsbild. Die Völker werden den Krieg verlernen. Sie werden das Leben lernen. An dieser Hoffnung haben Walter Schulz und Manfred Schlenker in der DDR festgehalten. Der Komponist Hans-André Stamm hat diese Hoffnung in diesem Sommer in wunderbare Orgelmusik übersetzt. Musik, die an der Hoffnung festhält:

Musiktitel 2: 
Es wird sein in den letzten Tagen
Choralvorspiel für Orgel,
Stamm, Hans-André
Eigenproduktion des Komponisten

Walter Schulz fragte:
„Kann das Wort von den letzten Tagen
aus einer längst vergangnen Zeit
uns durch alle Finsternis tragen
in die Gottesstadt, leuchtend und weit?

Und er antwortet singend:

„Wenn wir heute mutig wagen,
auf Jesu Weg zu gehn,
werden wir in unsern Tagen
den kommenden Frieden sehn.
Auf, kommt herbei!
Lasst uns wandeln im Lichte des Herrn!“

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