Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

Höre ich eigentlich zuerst oder sehe ich zuerst, morgens wenn ich aufwache? Oder ist es vielleicht sogar die Nase, die als erster Sinn Resonanz gibt auf die Sinnlichkeiten eines neuen Tages? Das Lied, das ich Ihnen heute mitgebracht habe, geht davon aus, es ist das Ohr, das als Erstes das Leben in mir erweckt.

Er weckt mich alle Morgen

1) Er weckt mich alle Morgen, Er weckt mir selbst das Ohr. Gott hält sich nicht verborgen, führt mir den Tag empor, daß ich mit Seinem Worte begrüß das neue Licht. Schon an der Dämmrung Pforte ist Er mir nah und spricht.

Jochen Klepper scheint in seinem Lied „er weckt mich alle Morgen“ nicht vom „natürlichen“ Erwachen meiner Sinne zu reden. Sonst könnte er nicht schreiben: „Gott führt mir den Tag empor. Dass ich mit seinem Wort begrüß das neue Licht.“ Bei Licht müssten doch die Augen ins Spiel kommen. Für Klepper scheint das Wachwerden für den neuen Tag nicht allein etwas Körperliches zu sein, sondern etwas Geistiges, Geistliches. Das Licht, das wirklich leben lässt, sieht man nicht, das muss man hören. Innen.
Ich ahne, was er meint. Es gibt ja Tage, die können außen noch so sonnig sein. Und können das Leben trotzdem nicht erhellen.

1938 hat Jochen Klepper dieses Lied geschrieben: Es waren dunkle Zeiten für ihn und seine jüdische Frau. Zeiten auch, die einem Gott verdunkeln könnten. Dagegen dichtet Jochen Klepper an. Ich glaube, er dichtet, um zu erinnern, Gott ist dennoch da. Auch in dunklen Zeiten ist Gott wach. Und er lässt sich hören, vielleicht leise, auch wenn das Leben chaotisch ist und Angst macht. Gerade dann kommt es darauf, diese Stimme des Lebens zu hören.

Er weckt mich alle Morgen „Jazz version“

Leise bahnt sich in dieser Jazz-Version des Liedes die zarte Melodie ihren Weg. Ein bisschen wie in Jochen Kleppers Text: Jeder neue Morgen soll helfen zu hoffen, die Welt ist nicht das Chaos. Auch wenn sie aus den Fugen scheint. Sie ist Gottes Schöpfung und darum hat sie auch Zukunft. In Kleppers Worten:

Er spricht wie an dem Tage, da Er die Welt erschuf. Da schweigen Angst und Klage; nichts gilt mehr als Sein Ruf. Das Wort der ewgen Treue, die Gott uns Menschen schwört, erfahre ich aufs Neue so, wie ein Jünger hört.

Jochen Klepper traut sich, den neuen Morgen persönlich zu nehmen. Obwohl, eigentlich ja nicht den Morgen. Gott nimmt er wirklich persönlich. Traut Gott zu, dass er jeden Einzelnen wichtig nimmt. Es wird Tag – für jeden einzelnen, der darin den Weckruf Gottes hört.

Er weckt mich alle Morgen „vokal“ Strophe 4

4) Er ist mir täglich nahe  und spricht mich selbst gerecht. Was ich von Ihm empfahe, gibt sonst kein Herr dem Knecht. Wie wohl hat's hier der Sklave,der Herr hält sich bereit, daß Er ihn aus dem Schlafe zu seinem Dienst geleit.

Ich wünsche Ihnen einen hellen Sonntag und viel Zuversicht für die kommende Woche.

„Er weckt mich alle Morgen AGvH Jazz Sextet „Jazz Version Ende“

5) Er will mich früh umhüllen mit Seinem Wort und Licht, verheißen und erfüllen, damit mir nichts gebricht; will vollen Lohn mir zahlen, fragt nicht, ob ich versag. Sein Wort will helle strahlen, wie dunkel auch der Tag.

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Musikangaben:

Musiken: 1und 3:      
„Er weckt mich alle Morgen“ Track 1 aus CD „Ja ich will Euch tragen.
Jochen Klepper und seine Zeitgenossen“. Solistenensemble Gerhard
Schnitter  Hänssler classics LC 06047

Musiken 2 und 4      
Er weckt mich alle Morgen track 5 aus CD „confessiones- Bekenntnisse“        
AGvh Jazz Sextet; Primton - Thomas Hammer Musikverlag  LC 23355

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