Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

GL 161  

Wir können uns noch so sehr anstrengen und uns bemühen – wir werden nicht immer alles richtig machen. So perfekt wir auch sonst sind. Denn es gibt Momente, in denen wir etwas tun, was wir nachher bereuen. Situationen, in denen wir am liebsten die Zeit zurückdrehen würden. Und selbst wenn ich mich bemühe, nachher vieles wieder gerade zu rücken, bleibt oft ein ungutes Gefühl zurück.

Nichts anderes meinen Christen, wenn sie von Schuld sprechen.

Auch das heutige Lied zum Sonntag spricht von dieser Schuld. Darin heißt es: „Du rufst uns, Herr, trotz unserer Schuld. Denn größer als alle Schuld ist deine Liebe.“ Das Lied blendet die Schuld nicht aus, aber es reduziert mich auch nicht darauf. Denn Gott ruft mich trotzdem. 

Du rufst uns, Herr, trotz unsrer Schuld. Kyrie, eleison. Denn größer als alle Schuld ist deine Liebe. Kyrie, eleison. Du machst uns aus Knechten zu Freunden. Kyrie eleison. Erbarme dich unser, o Herr, erbarme dich unser. 

Mit Schuld meinen Christen alles, was das Verhältnis zu Gott irgendwie stört. Dazu gehört auch, wenn ich andere Menschen verletze. Gott kann das nicht akzeptieren, denn er hat auch diese Menschen geschaffen und gewollt. Und so beschädigt es auch meine Beziehung zu ihm, wenn ich schlecht über andere rede, nur um selbst besser da zu stehen. Oder wenn ich nur um mich kreise und die anderen nicht mehr im Blick habe.

Manchmal ist mir die Rede von der menschlichen Schuld aber auch echt zu viel. Gott hat sich doch sicher was dabei gedacht, dass er mich so gemacht hat wie ich bin – mit all meinen Fehlern. Wieso soll ich mich dann schuldig fühlen? Bei der Theologin Ulrike Berg habe ich darauf eine gute Antwort gefunden. Sie schreibt: „Du sollst ab und zu gucken, ob du nicht was korrigieren kannst. Gott liebt uns, wie wir sind. Aber er traut uns zu, dass wir uns verändern können.“

Wenn am Beginn eines Gottesdienstes dieses Lied gesungen wird, dann geht es darum, dass wir einen Moment zurückschauen, auf das was war. Nicht anklagend, aber ehrlich. Für Vieles kann ich dankbar sein, aber manches Mal habe ich mich leider auch falsch entschieden. Beides, das Gelungene und die Momente, in denen ich schuldig geworden bin, sage ich Gott. Seine Barmherzigkeit und Liebe sind größer als meine Schuld. Er will die Verbindung zu mir nicht abreißen lassen. 

Aus diesem Vertrauen heraus, kann ich auch zu meinen Schattenseiten stehen.

Das bedeutet nicht, dass ich alles einfach so hinnehme und genauso weitermache. Aber ich bleibe nicht bei dem hängen, was war. Ich kann nach vorne blicken und muss mich nicht von Schuldgefühlen lähmen lassen. Gott traut uns Menschen zu, dass wir uns verändern können.

Das Lied greift das auf. Denn dort heißt es weiter: Lass uns glauben an deine Liebe und mit Vertrauen zu Dir kommen. Du machst uns aus Knechten zu Freunden. 

Lass uns glauben an deine Liebe, Christe, eleison. mit Vertrauen kommen zu Dir. Christe, eleison. Du machst uns aus Knechten zu Freunden. Christe, eleison. Erbarme dich unser, o Herr, erbarme dich unser.

 

(Lied „Du rufst uns, Herr, trotz unsrer Schuld“ – CD-Track 4

Chormusik zum Gotteslob – Carus 2.160/99

Regensburger Domspatzen, Kölner Dommusik, Limburger Domchor,

Figuralchor Köln, Münchner Dommusik

Carus Verlag 2013)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=21483