Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

Der Film „Schlafes Bruder“ beginnt mit einem diffusen Rauschen. Ist es der Bergbach? Oder die Unruhe im Ohr des sensiblen Elias, der die Hauptrolle in diesem Drama spielt?
Erzählt wird die Geschichte des unglücklichen Johannes Elias Adler, der in ärmlichen Verhältnissen eines Vorarlberger Bergdorfs im 19. Jahrhundert aufwächst. Seine große Liebe zu seiner Cousine Elsbeth bleibt unerfüllt. Das Einzige, was er besitzt, ist eine geniale Begabung für Musik, insbesondere, wie sich herausstellt, für das Orgelspiel.
Bei einem Orgelfest im Dom zu Feldberg improvisiert er über den Choral „Komm, o Tod, du Schlafes Bruder“ von Johann Sebastian Bach. Es ist ein furioses Klangereignis, das sämtliche Zuhörer auf nie gekannte Weise ergreift.

So sehr ihn die Musik mit sich fort reißt, so wenig kann er seine geliebte Elsbeth erreichen. Auf dem Rückweg vom Orgelfest in sein Heimatdorf erinnert Elias sich der Worte eines Wanderpredigers, dem er einmal gelauscht hat. Der hatte gesagt, ein wahrhaft Liebender schlafe nie! Also tut Elias alles, um wach zu bleiben. Um auf keinen Fall einzuschlafen, isst er Tollkirschen, an denen er letztendlich stirbt.
So bleibt ihm am Ende nur die Musik als einziger Trost. Als ein Trost, der über dieses Leben hinausweist.

Komm, o Tod, du Schlafes Bruder,
Komm und führe mich nur fort;
Löse meines Schiffleins Ruder,
Bringe mich an sichern Port!
Es ist der Irrtum des unglücklichen Elias zu glauben, dass er seine Liebe mit Schlaflosigkeit beweisen müsse. Denn der Schlaf ist ja weder das Ende der Liebe noch das Ende des Lebens. Noch nicht einmal der Todesschlaf, aus dem es nach christlicher Überzeugung ein gutes Erwachen gibt.
„Komm, o Tod, du Schlafes Bruder, komm und führe mich nur fort, löse meines Schiffleins Ruder, bringe mich an sichern Port“.

Mit der Glaubenshoffung dieses Chorals möchte ich heute, am letzten Sonntag des Kirchenjahres, dem Ewigkeitssonntag, in Dankbarkeit all derer gedenken, die mit uns und vor uns gelebt haben. Und von denen wir glauben dürfen, dass sie „am sichern Port“ gut aufgehoben sind.

Es mag, wer da will, dich scheuen,
Du kannst mich vielmehr erfreuen;
Denn durch dich komm ich herein
Zu dem schönsten Jesulein.

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