Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

   Nada te turbe, nada te espante, qien a Dios tiene

         nada le falta. Nada te turbe, nada te espante,

         solo Dios Basta.

         (Archivnummer: M0267603 012) 

Die heilige Teresa von Avila muss eine ganz besondere Frau gewesen sein. Sie hat den Text des heutigen Liedes geschrieben.  „Nada te turbe, nada te espante“ – „nichts störe dich, nichts erschrecke dich.“ „Qien a Dios tiene, nada le falta.“ „Wer Gott hat, dem fehlt nichts.“ „Solo Dios basta“. „Allein Gott genügt.“

In diesem Jahr ist der 500. Geburtstag der heiligen Teresa. Sie  wurde 1515 in Kastilien, in der Stadt Avila geboren. Und ihre Biographie ist sehr ungewöhnlich – besonders für eine Frau ihrer Zeit. Teresa war nicht nur sehr gebildet, sie war auch unglaublich aktiv. Als Ordensfrau bei den Karmelitinnen hat sie fast zwanzig Klöster neu aufgebaut. Sie war aber nicht nur Klostermanagerin, sondern auch Theologin und Mystikerin.

Als solche hat sie eines immer wieder gefordert: jeder Christ soll persönlich mit Gott befreundet sein. Er oder sie soll, wenn er betet, frei mit Gott sprechen, so wie mit einem guten Freund.

Für die damalige Zeit war das ungewöhnlich. Im 16. Jahrhundert hat die Amtskirche ja vor allem auf die äußere Form der Frömmigkeit geschaut: Prozessionen und lange Gebetstexte mussten absolviert werden, dann war man ein richtiger Christ.

Teresa aber war anderes wichtig.

Über´s Beten sagt sie: „Es ist nichts anderes als Verweilen bei einem Freund, mit dem wir oft allein zusammenkommen, einfach um bei ihm zu sein.“ 

         Nada te turbe,

         nada te espante,

         qien a Dios tiene

         nada le falta.

         Nada te turbe,

         nada te espante,

         solo Dios Basta.

         (Archivnummer W0140415 010) 

„Nada te turbe“ ist eines von vielen sogenannten Taizé-Liedern. Sie sind speziell für die ökumenische Gemeinschaft von Taizé komponiert: kurz, eingängig und mehrstimmig. Das passt gut zu den Gottesdiensten dort. Da wird vor allem gesungen, und jedes Mal auch eine lange Stille gehalten. Da ist Zeit zum inneren Reden mit Gott, wie mit einem Freund. Diese Art zu beten kommt dem Ideal, wie es Teresa von Avila vor 500 Jahren gefordert hat, sehr nahe. Denn die Taizé-Brüder nehmen sich regelmäßig Zeit für das persönliche Gespräch mit Gott. Dreimal am Tag.

Ähnlich wie Teresa sind auch die Brüder von Taizé sehr aktiv. Sie wollen ganz da sein für Jugendliche aus ganz Europa. Und die strömen schon jahrelang vor allem jetzt in den Sommermonaten zu ihnen in das kleine Dörfchen Taizé im Burgund. Die Brüder und die Jugendlichen tauschen sich dann eine Woche lang aus: darüber wie man heute glauben kann, aber auch darüber wie wieder mehr Frieden möglich ist. Das sind oft intensive Gespräche. So jedenfalls habe ich es als Jugendliche erlebt. Aber auch die Gottesdienste erleben viele dort als besonders emotional. Ich denke, da spielen die Lieder eine große Rolle. Das Lied „Nada te turbe“ hat mir immer viel Mut gemacht. Mut für das Abenteuer des Lebens.

Sie hören das Lied nun noch einmal, dieses Mal mit einer zusätzlichen Solostimme. Ein Bruder aus Taizé zitiert dabei auf Spanisch aus einem der Texte Teresas. 

 „Schlaft nicht länger, denn es herrscht kein Friede auf Erden. Niemand soll sich gehen lassen, stürzen wir uns ins Abenteuer des Lebens. Fürchtet euch nicht, schlaft nicht. Stürzen wir uns ins Leben“. 

         Lied mit solistischer Überstimme:

         Yan o durmais, no durmais, pues que no hay paz en la tierra.

         No haya ningun cobarde, aventuremos la vida.

         No hay que temer, no durmais, aventuremos la vida.

         (Archivnummer: M0267603 012)

 

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