Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

Wenn ich sagen sollte, welche Farbe der Sommer hat, so wäre es für mich die Farbe Blau. Blau ist der Himmel in seiner endlosen Ausdehnung. Blau ist das Meer, dessen Wellen sanft im Sand verlaufen. Blau ist die Farbe der Weite, nach der wir uns sehnen, wenn wir in diesen Tagen aus dem engen Alltag aufbrechen und das Weite suchen. Viele Maler benutzen auf alten aber auch auf modernen Bildern blau als die Farbe der Transzendenz.
Wenn ich das Lied, das ich Ihnen heute mitgebracht habe, malen sollte, so würde ich es auch ganz in Blau malen. Denn es erzählt von der  über uns ausgespannten Weite des Himmels und der Weite der Liebe. Von der alle Menschen umfassenden Weite des Friedens und den segnenden Händen Gottes.
Nichts davon ist kleinkariert, begrenzt oder eng. Alles so groß und weit, dass alle Menschen sich davon umfasst und darin geborgen wissen dürfen.
„Gottes Hände sind wie .in großes Zelt“, so heißt das Lied.  Seine Melodie stammt von Fritz Baltruweit, der bekannt ist von vielen evangelischen Kirchentagen, den Text hat Hans-Jürgen Netz geschrieben. 

Gottes Hände sind wie ein großes Zelt,
das die Erde ganz umspannt und fest zusammenhält.
Gottes Hände sind wie ein großes Zelt,
für dich und mich und für die ganze Welt.

Gottes Liebe ist wie ein großes Zelt,
das die Erde ganz umspannt und fest zusammenhält.
Gottes Hände sind wie ein großes Zelt,
für dich und mich und für die ganze Welt.

Der Text dieser Strophen erinnert mich an einen biblischen Psalm: „Gott, deine Güte reicht so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen. Unter deiner Güte finden wir Menschenkinder Zuflucht. Wir werden satt von den reichen Gütern deines Hauses.“
Diese alten Worte klingen wider in unserem Lied, wenn darin die universale Weite von Gottes Frieden und seinem Segen besungen wird:

Gottes Frieden ist wie ein großes Zelt,
das die Erde ganz umspannt und fest zusammenhält.
Gottes Hände sind wie ein großes Zelt,
für dich und mich und für die ganze Welt.

In der Geschichte der Religionen hat es eine Weile gebraucht bis Menschen das verstanden haben:  dass Gott größer ist als jedes Heiligtum, in dem er angebetet wird. Größer als eine Menschengruppe oder eine Nation, die ihn verehrt. Größer auch als jeder Gedanke, mit dem er gedacht wird.
Die Gefahr, Gott immer wieder zu begrenzen auf das, was ich selbst verstehen und begreifen kann, liegt ja nahe. Gott aber, so sagt es das Lied, ist weiter, offener. Weit wie der Himmel, der sich über allen Menschen wölbt.
Das ist, wie ich finde, gerade jetzt, wo die Ferien beginne, ein guter Gedanke. Zu wissen: wo ich auch hingehe, Gottes Hände bleiben über mir ausgespannt.
Ganz egal, wo ich meine Ferien verbringe – am heimischen Baggersee oder an einer Küste des Mittelmeeres, auf einem Kreuzfahrtschiff oder im eigenen Garten: wir bleiben unter Gottes großem Himmelszelt.

Gottes Segen ist wie ein großes Zelt,
das die Erde ganz umspannt und fest zusammenhält.
Gottes Hände sind wie ein großes Zelt,

für dich und mich und für die ganze Welt.
Fritz Baltruweit: Lieder aus 5 Jahrzehnten. Gott gab uns Atem.

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tvd-Verlag GmbH, Düsseldorf, LC 05648

 

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