Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

,GL Mainz 879 

„Eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt, die ist schön“: So beginnt ein beliebtes Volkslied des 20. Jahrhunderts. Augenzwinkernd nimmt es nach und nach die Besatzung aufs Korn, angefangen beim Kapitän. Vermutlich wissen aber alle, die das Lied singen oder hören: Es kann auf einem Schiff schnell ungemütlich und gefährlich werden – und das nicht erst auf dem Meer.

Steig in das Boot, sagst Du, stoß ab vom Sand.
Fahr gegen Wind, fahr zu, bis du am andern Strand
siehst, was ich tu. 

Die Evangelien erzählen von einer Bootsfahrt, bei der das Wetter sich verschlechtert: Jesus fordert die Jünger auf, ins Boot zu steigen und an das andere Ufer vorauszufahren. Er selber will die Menschenmenge, die sich um ihn versammelt hat, nach Hause schicken. Die Jünger fahren los. Als sie schon ein beträchtliches Stück vom Land entfernt sind, kommt heftiger Gegenwind auf. Die Wellen werfen das Boot hin und her, und dunkel wird es inzwischen auch noch.

Gibst Du uns einen Stein, Meister, statt Brot?
Lässt Du uns jetzt allein? Treibst Du uns in die Not mitten hinein? 

Die Jünger erinnern sich, dass Jesus ihnen gesagt hatte: „Bittet, dann wird euch gegeben! Denn jeder, der bittet, empfängt. Welcher Vater wird denn seinem Sohn einen Stein geben, wenn er ihn um Brot bittet?!“ Doch jetzt im Sturm ist dieses Vertrauen wie weggeblasen. Es bleiben nur noch Fragen übrig: Hält Jesus seine Jünger zum Narren? Lässt er sie jetzt allein? Hat er sie am Ende gar mit Absicht in dieses Unwetter geraten lassen? „Treibst Du uns in die Not mitten hinein?“

 Wir sehen nichts als Kahn, Wasser und Wind.
Sagst Du: Legt drüben an? Aber die Nacht beginnt.
Wo bist Du dann? 

Keinen Boden unter den Füßen. Kein Dach über dem Kopf. Kein Land in Sicht. Die Aufforderung Jesu an die Jünger, drüben anzulegen, erscheint ihnen jetzt sinnlos. Wo ist überhaupt das Ufer, zu dem sie unterwegs sind? Und noch mehr schmerzt die Frage: Wo ist ihr Herr?

In der Erzählung der Evangelien kommt Jesus tatsächlich zu seinen Jüngern. Zunächst erkennen sie ihn gar nicht und bekommen noch mehr Angst. Doch sein Wort stillt den Sturm, und mit ihm erreichen sie das Ziel.

Das „Schifflein Petri“ ist zu einem Bild für die Kirche geworden. Sie ist unterwegs, wir sind unterwegs durch die Stürme der Zeit. Nein, die Seefahrt ist nicht immer lustig. Aber immer neu lädt Jesus ein zum Abenteuer des Vertrauens: 

(Musik Orgelspiel, Text der 6. Strophe hineingesprochen)
Ich bin’s, so sagst Du dann, sieh, was ich tu!
Fahr mit zum andern Strand, hab keine Angst, sagst Du, hier – meine Hand! 

(Musik:„Singt Gott den neuen Lobgesang!“ Lieder aus dem Mainzer Eigenteil des neuen GOTTESLOB. Hg.: Institut für Kirchenmusik des Bistums Mainz. CD 3, track 13.)

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