Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

Pfingsten nennt man auch den „Geburtstag der Kirche“. Als Geburtstagslied für unsere Kirchen im Land erklingen jetzt die Verse eines Mannes, Benjamin Schmolck, der ein ganz besonderes Verhältnis zu seiner Kirche hatte, konkret zu seiner evangelischen Friedenskirche in Schweidnitz. Wenn Menschen gefragt werden, was ihnen an der Kirche wichtig ist, dann nennen sie häufig das Kirchengebäude, und besonders verbunden sind die Menschen mit der Kirche ihrer Heimatgemeinde. Kirchen prägen das Stadtbild, sie prägen auch das Gefühl der Menschen. Und selbst Menschen, die mit dem Glauben nicht mehr viel am Hut haben, spüren in einem Kirchengebäude eine besondere Atmosphäre. Ich finde es schön, wenn Kirchen gepflegt sind und freue mich bei Kirchenbesuchen über jeden liebevoll gestalteten Blumenstrauß auf dem Altar. Es ist schon stimmig, dass gerade zum Pfingstfest, dem Geburtstag der Kirche, viele Kirchen ganz besonders dekoriert sind.

Schmückt das Fest mit Maien!

Benjamin Schmolck war 35 Jahre lang bis zu seinem Tod 1737 als Pfarrer an der Friedenskirche in Schweidnitz tätig. Diese Kirche in Niederschlesien gehörte zu den ganz wenigen Kirchen, die die evangelischen Christen während der Gegenreformation nach dem Ende des 30jährigen Kriegs weiter behalten durften. Es gehörte Mut dazu, in dieser Zeit an diesem Ort evangelisch zu sein. Viele evangelische Pfarrer und Lehrer hatten mit der Gegenreformation Schlesien verlassen, Schmolck blieb und dichtete seiner Gemeinde zum Trost und zur frommen Erbauung fast 2000 Lieder. Den Versen des Pfingstlieds hört man noch die leidvollen Erfahrungen des Dichters an und seine Sehnsucht nach konfessionellem Frieden. Der Friedensüberbringer wird da beschworen, der starke Gottesfinger, der Kraft und Mut und Trost bringt.
An seiner Friedenskirche hing Benjamin Schmolck mit Leib und Seele, sie war wie ein leibhaftiges Symbol für seinen Glauben und den Glaubensmut der Christen. Er hat die Gegenwart Gottes in seiner Kirche so lebendig wahrgenommen, dass er sich noch auf der Krankenbahre in seine Kirche tragen ließ, um dort die Menschen zu segnen und für seine Gemeinde da zu sein.
Es war und ist für Menschen wichtig, einen besonderen Ort der Anbetung zu haben. Die Mauern der Kirche symbolisieren den Schutz Gottes, die Orgelklänge die himmlische Musik, die Blumen stehen für alles, was Gott den Menschen schenken will und für die Freude der Menschen an Gottes Gegenwart. Zugleich sind Kirchen freie Orte. Auch an diesem Pfingstfest stehen die Tore der Kirchen für alle offen, die sich nach Ruhe sehnen und nach dieser spirituellen Atmosphäre, die nur Kirchen bieten können. Eine Kirche fragt nicht nach dem Bekenntnis, sie fragt nicht nach Geschlecht und Alter, nach Rasse oder Glauben.  Sie ist für alle Menschen da.
Ihnen allen ein gesegnetes und frohes Pfingstfest!

Schmückt das Fest mit Maien Track 14 aus CD Aus meines Herzens Grunde, CD 2, Carius 83.015

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