Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

GL 535

Unter den Marienliedern ist ein echter Schlager „Segne du Maria. Was Menschen durch den Kopf geht, wenn sie dieses Lied hören, habe ich auf einer Internet-Plattform gelesen. Dort schreibt jemand: „Dieses Lied ist das schönste Marienlied überhaupt. Ich bekomme immer Tränen in die Augen, wenn ich es höre.“ Oder: „Bin gerade ein bisschen traurig. Meine Oma hat das früher immer mit mir gesungen, als ich klein war. Auch als sie ganz krank war, hat sie das immer noch gesungen. Das Lied erinnert mich an sie.“ (36 sec)

  1. Strophe 
    Segne du Maria, segne mich dein Kind,
     dass ich hier den Frieden, dort den Himmel find.
    Segne all mein Denken, segne all mein Tun,
    lass in deinem Segen Tag und Nacht mich ruh´n,
    lass in deinem Segen Tag und Nacht mich ruh´n.

Klaus Mertens, Kay Johannsen, Aus meines Herzens Grunde, CD-Nr. 83.015) 

„Segne du Maria“ stammt von Cordula Wöhler. 1870 soll sie den Text zum Lied gedichtet haben. Sie war Protestantin und ist dann katholisch geworden. Es klingt fast so, als ob Cordula Wöhler ihre neue Konfession wie aufgesogen hat. Denn in ihren Zeilen geht es viel um Maria.

Dieses Lied mag pathetisch sein und sentimental. Und der Text wirkt beim ersten Hören alles andere als intellektuell. Aber nur schwer lässt sich die Wirkung dieses Liedes ignorieren. Viele Menschen wünschen es sich für die Beerdigung ihrer Verwandten. Und oft schon habe ich gehört, wie bei diesem Lied laut und mit voller Innbrunst gesungen wurde.

„Segne du Maria“ hat unter den Kirchenliedern eine ähnliche emotionale Wucht wie „Stille Nacht“. Vielleicht wirkt es so stark, weil die Sehnsucht, die dahinter steckt, so groß ist. „Segne du Maria, segne mich dein Kind“ heißt es. Das drückt ein Grundbedürfnis des Menschen aus: „Einmal wieder Kind sein. Einmal wieder sich fallen lassen und alle Verantwortung abgeben. Maria wird die Welt schon retten. Aber bitte nicht ich.“ Diese Sehnsucht kann ich gut nachempfinden, nicht nur in Krisenzeiten.

Orgelvorspiel beginnt: Segne du Maria für einstimmigen Chor, Sorpansolo, Tenorsolo und Orgel

Ich glaube Menschen brauchen so einen Ort, wo sie nicht stark und vernünftig sein müssen. Wer will sich nicht irgendwann einmal einfach nur ausheulen. Wie ein Kind. Vor allem am Ende des Lebens. Wenn es darum geht, wirklich alles abzugeben und loslassen zu können.

  1. Strophe: 
     Segne du Maria, unsre letzte Stund,
     süße Trostesworte flüstre dann dein Mund,
     deine Hand, die linde, drück das Aug uns zu,
     bleib im Tod und Leben unser Segen du, b
     bleib im Tod und Leben unser Segen

     (Segne du Maria für einstimmigen Chor, Sorpansolo, Tenorsolo und Orgel)
                              

Ich finde, religiöses Leben braucht beides: Verantwortung übernehmen und Loslassen können. Aktion und Kontemplation. Selbst handeln und sich ins Göttliche hineingeben. Das Lied „Segne du Maria“ steht für Letzteres. Und Maria steht in meinen Augen –zusammen mit Jesus- für die menschlichste Seite von Gott.

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