Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

Wer an Gott glaubt, sollte dem Frieden dienen. Aber wir erleben, wie Religion als Rechtfertigung für Gewalt missbraucht wird.

Wer nur den lieben Gott lässt walten und hoffet auf ihn alle Zeit

Den wird er wunderbar erhalten in aller Not und Traurigkeit

Wer Gott dem Allerhöchsten traut, der hat auf keinen Sand gebaut. 

Schon viele Menschen haben sich an dem Lied innerlich festgehalten, das ich für diesen Sonntag ausgewählt habe. Entstanden ist das Lied 1641, zur Zeit des 30-jährigen Krieges. Text und Melodie stammen von Georg Neumark. Er wurde  mitten in dieser schrecklichen Zeit geboren und spürte die Folgen des Krieges am eigenen Leib. Er wurde überfallen und musste aus Königsberg, wo er studierte, fliehen.

Ich frage mich, wie er da noch dichten konnte:„Wer nur den lieben Gott lässt walten“ ? 

Walten ist ein altertümliches Verb. Es bedeutet herrschen, Macht über etwas haben. Ge-walt ist ein  entsprechendes Substantiv dazu. „Walten“ meint aber auch sich sorgen und um etwas kümmern, so wie es im Wort „Verwalter“ anklingt. 

Für Georg Neumark gibt es keinen Zweifel daran, dass Gott über das Geschick der Welt und der Menschen waltet. Ihm allein steht diese Macht zu. Das ist eine klare Absage an alle, die Gott missbrauchen, um ihre eigenen Machtansprüche und Machtgelüste zu rechtfertigen. Und das war bereits zu dieser Zeit üblich, als Katholiken und Protestanten sich im Namen Gottes gegenseitig vernichten wollten. 

Religion und Gewalt –

Wenn Menschen als Gotteskrieger  die göttliche Macht für sich reklamieren, explodieren Hass und Zerstörungswut – wie zuletzt bei dem schrecklichen Attentat in Paris. Aber nicht nur der Islam wird so missbraucht - auch im Christentum gab es Kreuzzüge und andere blutige Exzesse. Es wird sogar an einigen Stellen in der Bibel im Namen Gottes die Gewalt gegen Andersgläubige  gerechtfertigt. Aber in der langen Menschheitsgeschichte hat sich Gott immer tiefer als ein Gott des Friedens und der Gerechtigkeit gezeigt – bis hin zu Jesus Christus. Er hat verkündet, dass Gottes Reich nicht durch Gewalt sondern durch Liebe kommt: „Selig, die keine Gewalt anwenden, denn sie werden das Land erben“ so sagt er in der Bergpredigt, und „Selig die Frieden stiften, denn sie werden Söhne und Töchter Gottes genannt“ (Mt5,5-9).

Jesus, der Sohn Gottes hat selbst auf jegliche Macht und Gewalt verzichtet, weil er sich restlos dem „Walten“ Gottes anvertraut hat. 

Es hat mich sehr berührt, wie bei dem schrecklichen Pariser Attentat einige Juden in dem koscheren Supermarkt gerettet wurden. Der Angestellte Lassana Bathily war ja in den Keller gegangen, um dort als gläubiger Moslem seine Gebete zu verrichten. Nur deswegen konnte er diejenigen, die dorthin geflüchtet waren, im Kühlraum in Sicherheit bringen. 

Für mich ist das ein echtes Hoffnungszeichen 

Wer  auf Gott vertraut, kann für sich und für andere zum Segen werden – auch über die Grenzen der Religionen hinweg. 

Sing / bet / und geh auf Gottes Wegen
Verricht das Deine nur getreu
Und trau des Himmels reichem Segen
So wird Er bey dir werden neu.
Denn Welcher seine Zuversicht
Auf Gott setzt / den verläst Er nicht. 

Musik: „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ 1.+3.Strophe von Vocal Concert Dresden

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