Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

1. Erfreue dich, Himmel, erfreue dich, Erde;
erfreue sich alles, was fröhlich kann werden.
Auf Erden hier unten, im Himmel dort oben:
den gütigen Vater, den wollen wir loben. 

Ein passendes Lied zum Erntedank ist das. Ursprünglich war es aber ein Weihnachtslied.

„Auf Erden hier unten, im Himmel dort oben
das Kindlein im Krippelein wollen wir loben“.

So steht es im Straßburger Gesangbuch von 1697. Ausgangspunkt war damals ein Satz aus der Weihnachtsliturgie: „Es freue sich der Himmel, und die Erde frohlocke vor dem Angesicht des Herrn, denn er ist gekommen.“

Sehr viel später, im Jahr 1963 hat die Theologin und Schriftstellerin Marie Luise Thurmair 4 Strophen hinzugedichtet, und die Freude ausgeweitet auf die ganze Schöpfung. Das Lied wurde so zu einem Lob- und Danklied mit vielen Motiven aus dem Psalm 148.

Der ist reich an Details, die das Lied mit offensichtlicher Freude aufnimmt.

2. Ihr Sonnen und Monde, ihr funkelnden Sterne,
ihr Räume des Alls in unendlicher Ferne: 

3. Ihr Tiefen des Meeres, Gelaich und Gewürme,
Schnee, Hagel und Regen, ihr brausenden Stürme:

 4. Ihr Wüsten und Weiden, Gebirg und Geklüfte,
ihr Tiefen des Feldes, ihr Vögel der Lüfte: 

5. Ihr Männer und Frauen, ihr Kinder und Greise,
'ihr Kleinen und Großen, einfältig und weise:

Auf Erden hier unten, im Himmel dort oben:
den gütigen Vater, den wollen wir loben.

Der Gedanke, daß die Schöpfung jubelt, darin wir Menschen jeden Alters, mit hohem oder niedrigem IQ, der hat etwas Mitreißendes. Im gemeinsamen Loben des Schöpfers ist alles Trennende aufgehoben. Jubeln und sich freuen verbindet. Es beheimatet mich in allem, was ist. In einem andern Lied heißt es: „Alles, was Atem hat, lobe den Herrn“, aber unser Lied geht darüber noch hinaus: Nicht nur alles, was atmet, sondern alles, was existiert, soll den Herrn loben, auch die Elemente und Gestirne und Landschaften. Indem das Lied sie zum Lob des Schöpfers auffordert, lobt es den Schöpfer schon. Und dieses Loblied ist zugleich ein Bekenntnis: Es sagt aus: die Elemente und Gestirne sind keine Gottheiten, sondern auch sie sind Geschöpfe, geschaffen von dem einen Gott. Und noch mehr: Alles was ist, ist Schöpfung. Nichts existiert aus sich heraus, alles verdankt sich dem einen Schöpfer, den es anzuerkennen gilt. „Loben sollen sie den Namen des Herrn; denn er gebot, und sie waren erschaffen.“ (148,5) So heißt es im Psalm. Und unser Lied fasst in der letzten Strophe noch einmal alles zusammen: 

6. Erd, Wasser, Luft, Feuer und himmlische Flammen,
ihr Menschen und Engel, stimmt alle zusammen:

Auf Erden hier unten, im Himmel dort oben:
den gütigen Vater, den wollen wir loben.

(Regensburger Domspatzen, Leitung: Roland Büchner, Orgel: Thomas Aumer. Chormusik zum Gotteslob. Carusverlag 2.16099; Take 26,   1’10)

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