Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

Orgelvorspiel
So festlich und positiv klingt das Lied, das ich Ihnen an diesem Sonntag vorstellen darf: Ein Danklied sei dem Herrn für alle seine Gnade. Die Hauptorgel des Würzburger Kiliansdoms hat für uns die Melodie intoniert. Sie steht in reinem C-Dur. Die Stimmung ist ungetrübt, es gibt keine Irritationen. Fast wie eine Hymne bewegt sich der Klang hin und her und umspielt wiederholt auf engem Raum den Tonumfang einer ganzen Oktave.

Auch der Text des Liedes orientiert sich an den positiven Erfahrungen, die der Mensch mit Gott macht. Da ist von der Geduld die Rede, die Gott mit unseren Fehlern hat. Staunend spricht das Lied davon, wie Gott alles gemacht hat und wie er für uns sorgt. „Du kannst nicht aus Gottes Hand fallen, egal was passiert.“ Das ist einer der Leitsätze, auf die das Lied in seinen fünf Strophen zusteuert.

Über all dem steht (die) Dankbarkeit. Der Autor des Liedes ist sich sicher: Wer als glaubender Mensch erlebt hat, dass Gottes Hand ihn hält, dem geht sein Herz über vor Dankbarkeit. Der will anderen davon erzählen. Etwa so, wie in der ersten Strophe des Sonntagsliedes heute, das Guido Maria Dreves 1886 gedichtet hat:

 Ein Danklied sei dem Herrn

für alle seine Gnade,

er waltet nah und fern,

kennt alles unsre Pfade,

ganz ohne Maß

ist seine Huld

und allbarmherzige Geduld.

 Bei aller guten Stimmung dieses Liedes muss die Frage erlaubt sein, was dann mit dem Unglück und Leid auf unserer Welt geschieht. Da mag einer noch so fest an Gottes Güte glauben - es nützt ihm nichts, die dunkle Seite des Lebens zu verschweigen. Im Gegenteil: Mein Dank an Gott muss sich gerade dort bewähren, wo es kalt und herzlos zugeht, wo einem guten Menschen Böses widerfährt. Nur in einem Nebensatz seiner vierten Strophe deutet das Lied an, dass es darum weiß: „Lass allen Kummer fahren!“ Das hört sich ziemlich blauäugig an. Wie eine offene Flanke für jene, die den Glauben an Gott für einen naiven Trost halten.

Diesen Vorwurf nehme ich gerne an. Weil ich ihm guten Gewissens das Vertrauen gegenüber stelle, das ich in Gott habe. Das kann und will ich nicht aufgeben. Ich weiß schon, dass ich nicht die Hände in den Schoß legen darf, wenn ich an die großen Probleme auf unserer Erde und die kleinen Unglücke in meinem eigenen Leben schaue. Trotzdem bleibt die letzte Verantwortung nicht an mir hängen. So stark bin ich nicht. So groß ist kein Mensch. Das beruhigt mich. Und deshalb singe ich gern dieses frohe Danklied.

O sei zu seinem Lob

nicht träge, meine Seele,

und wie er dich erhob,

zu seinem Lob erzähle;

drum sei am Tage

wie zur Nacht

sein Name von dir groß gemacht. 

Aufnahmen 

"Ein Danklied sei dem Herrn" zur Danksagung beim Dankgottesdienst für Papst Benedikt XVI. am 28.2.2013 im Würzburger Kiliansdom. An der Orgel: Prof. Stefan Schmidt. 

Singt, singt, singt dem Herrn! Liturgische Kammermusik.
Gotteslob mit Klavier, Gitarre, Flöte, Saxophon ...
Deutsches Liturgisches Institut, 2014.                           

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18290