Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

Eingeladen zu werden und willkommen zu sein – das ist eine schöne Erfahrung. Dass jemand auf mich wartet und sich über mich freut. Willkommen sind wir nicht nur bei Menschen, die uns mögen, sondern auch bei Gott. Wenn am Sonntag die Glocken läuten, lädt er uns ein in sein Haus, in die Kirche. 

Lied einspielen 1. Strophe 

Komm her, freu dich mit uns, tritt ein;

Denn der Herr will unter uns sein, er will unter den Menschen sein.

Komm her, freu dich, der Herr will unter uns sein.

Ein Willkommenslied! Schwungvoll und fast tänzerisch. Da heißen mich Menschen willkommen, die sich im Namen Gottes und in seinem Haus versammelt haben. Ich freue mich über die Einladung, bei Jesus zu sein, weil mir in ihm Gott nahe kommt., Allerdings auf verborgene Art und Weise. Ich kann im Gebet zu ihm sprechen und höre seine Worte in den biblischen Texten. Es gibt n Symbole und Rituale, die auf ihn hinweisen. Aber in Raum und Zeit lässt sich Gott nicht fassen. Und doch können Menschen seine Gegenwart erahnen - vor allem in Gottesdiensten.  Die Liturgie, die in der katholischen Kirche besonders ausgeprägt ist, spricht alle Sinne an. Sehen und Hören, Tasten, Riechen und Schmecken. Dass Jesus Christus unter uns ist, wird regelrecht inszeniert: mit Worten und Liedern, Gesten und Gewändern, mit Kerzen und Weihrauch. Am eindrücklichsten , wenn der Priester in der Erinnerung an das letzte Abendmahl die Einsetzungsworte Jesu in seinem Namen spricht. Das kann Menschen ansprechen, vor allem dann, wenn es ihnen vertraut ist. Aber wenn die Rituale für einen keine Bedeutung haben, dann kann man sich auch leicht fremd fühlen. Daher  finde ich es gut, dass unser Lied da noch einen anderen Akzent setzt: 

Komm her, öffne dem Herrn dein Herz,

deinem Nächsten öffne dein Herz, und erkenne in ihm den Herrn.

Komm her, freu dich, der Herr will unter uns sein. 

Im Nächsten Gott begegnen. Wie soll das gehen – und dann auch noch im Gottesdienst? Wo in der Regel alle nach vorne schauen und man den neben sich kaum wahr nimmt. 

„Öffne deinem Nächsten dein Herz“ – heißt es im Lied. Dazu muss ich ihn erst mal wahrnehmen und mit ihm Kontakt aufnehmen. Etwa wenn ich zu Beginn des Gottesdienstes meinen Banknachbarn kurz begrüße oder ihn zumindest freundlich anlächle. Oder auch mal jemanden, der mir fremd ist, anspreche.. Gerade wenn man öfter in die gleiche Gemeinde geht, kennt man zumindest vom Sehen einige Gottesdienstbesucher. Vielleicht fällt mir dann auf, dass bei dem alten Ehepaar, das sonst immer zum Gottesdienst kommt, einer fehlt. Und ich frage nach. 

Im Gottesdienst geht es darum, Gemeinschaft zu erfahren: mit Gott und untereinander. Nur gemeinsam zu singen und zu beten, reicht nicht aus.  Es braucht außerdem persönliche Beziehungen und Begegnungen  - geteiltes Leben auch außerhalb des Gottesdienstes. Daher finde ich es schön, wenn es nach dem Gottesdienst die Möglichkeit gibt, miteinander ins Gespräch zu kommen – auf dem Kirchenvorplatz oder im Kirchencafe.

„Komm her, öffne dem Herrn dein Herz“ – wo eine Willkommensatmosphäre herrscht, da geht einem leichter das Herz auf. Und das war typisch für die Art, wie Jesus den Menschen begegnet ist. Er nahm sie wahr. Er hat gespürt, wenn sie etwas bedrückt hat.. Freute sich mit ihnen und teilte ihren Schmerz. Er hat sich am liebsten mitten unter den Menschen bewegt. Und seine Jünger haben verstanden: so ist Gott zu uns. 

Wenn Menschen sich im Namen Jesu versammeln, dann sollte zu spüren sein: du bist willkommen. Du bist gemeint. Erst dann kann ich erahnen und spüren, dass Gott mich willkommen heißt. 

Komm her, freu dich mit uns, nimm teil,

an des Herrn Gemeinschaft nimm teil; er will unter uns Menschen sein.

Komm her, freu dich, der Herr will unter uns sein.

  

Musikeinspielung aus https://www.hidrive.strato.com/share/2im4pb4z4h

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18120