Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

Das Lied, das ich heute ausgewählt habe, ist sommerlich und sonntäglich: „Die güldne Sonne“. Es besingt mit weitem Horizont das Geschenk des Lichts. Sehen kann ich nur durch Licht: Farben, Gesichter, die Welt.
Sonntäglich ist das Lied, weil es mich langsam zu mir kommen lässt - nicht laut und schnell wie werktags. Stück für Stück kann ich die Welt im Licht des neuen Tags sehen und mich selbst. Ich kann langsam zu mir kommen, nach der Nacht.

Musik 1: Reinhard Börner; Die güldne Sonne (instr)
Die güldne Sonne voll Freud und Wonne bringt unsern Grenzen -mit ihrem Glänzen ein herzerquickendes, liebliches Licht.
Mein Haupt und Glieder, die lagen darnieder;
aber nun steh ich, bin munter und fröhlich, schaue den Himmel mit meinem Gesicht.

Wenn ich so zu mir gekommen bin, lädt mich Paul Gerhardt – er hat das Lied geschrieben - ein, den Blick schweifen zu lassen (fade out). Weit hinaus: ‚Ja, die Welt ist noch da‘. Und: ‚Was hat so ein Sommer nicht alles zu bieten, an Welt‘. Für Paul Gerhardt  ist klar: Bei Licht besehen wird die Welt transparent, als Schöpfung Gottes.

Musik 2: Stuttgarter Hymnuschorknaben, Die güldne Sonne (Str. 2)
Mein Auge schauet, / was Gott gebauet
zu seinen Ehren / und uns zu lehren,
wie sein Vermögen sei mächtig und groß
und wo die Frommen / dann sollen hinkommen,
wann sie mit Frieden / von hinnen geschieden
aus dieser Erden vergänglichem Schoß.

Aber was habe ich kleiner Mensch davon, dass man hinter dem großen Ganzen einen Schöpfer vermuten mag? Paul Gerhardt meint, sehr viel. Ich finde, das ist mit der wagemutigste Gedanke am christlichen Glauben: Dass ein ewiger Gott mich und Sie kennt, sogar liebt.

Musik 3: Solistenensemble Gerhard Schnitter, Die güldne Sonne (Str. 4)
Abend und Morgen / sind seine Sorgen;
segnen und mehren, / Unglück verwehren
sind seine Werke und Taten allein.
Wenn wir uns legen, / so ist er zugegen;
wenn wir aufstehen, / so lässt er aufgehen
über uns seiner Barmherzigkeit Schein.

„Gott hat die Welt geschaffen“ und: „Gott ist für mich.“ Sehr klug finde ich, wie geerdet Paul Gerhardt damit im Weiteren umgeht: Kein Grund zum Narzissmus. Im Gegenteil. Selbstkritisch bittet sein Lied um ein weites Herz, und jeder, der es singt, damit für sich.

Musik 4  Reinhard Börner, Die güldne Sonne
Lass mich mit Freuden - ohn alles Neiden - sehen den Segen,
den du wirst legen in meines Bruders und Nähesten Haus.
Geiziges Brennen, unchristliches Rennen nach Gut mit Sünde,
das tilge geschwinde von meinem Herzen und wirf es hinaus.

Neidlos und heiter leben. Das gelingt mir längst nicht immer. Aber vielleicht kann die Sambaversion von Sarah Kaiser von „die güldne Sonne“ dazu helfen. Mir und anderen, die manchmal nicht zufrieden sind mit sich selbst. Singen, tanzen und mitwippende Füße: Das passt zu einem Sommersonntag – und macht das Leben heller.

Musik 5   Sarah Kaiser, die güldne Sonne  (Str. 8)
Alles vergehet, / Gott aber stehet
ohn alles Wanken; / seine Gedanken,
sein Wort und Wille hat ewigen Grund.
Sein Heil und Gnaden, / die nehmen nicht Schaden,
heilen im Herzen / die tödlichen Schmerzen,
halten uns zeitlich und ewig gesund.

Musik 1  „Die güldne Sonne“; track 3 aus CD: Reinhard Börner; Paul Gerhardt, Choräle auf  LC 06860
Musik 2 „Die güldne Sonne“ track 1 aus CD „Der Tag bricht an“ Stuttgarter Hymnuschorknaben LC 6047
Musik 3  „Die güldne Sonne“ track 9  aus CD 1„Paul Gerhardt, Liederschätze“ Solistenensemble Gerhard Schnitter LC  
Musik 4  wie Musik 1
Musik 5   Die güldne Sonne track 4  aus CD Sarah Kaiser, „Gast auf Erden“
LC 13743

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