Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

GL neu 380 / EG 331

CD für die Strophen: Chormusik zum Gotteslob, Carus 2.160/99, © 2013, Track 17

CD für den Schluss: Charpentier, Te Deum / Beatus vir / Salve Regina / Tenebrae factae sunt. Symphonic Chorus and Orchestra of the Gulbenkian Foundation Lisbon / Michel Corboz,  Erato 0630-13621-2, © 1996, Track 1

 Vorspiel und 1. Strophe

Großer Gott, wir loben dich, Herr, wir preisen deine Stärke.
Vor dir neigt die Erde sich und bewundert deine Werke.
Wie du warst vor aller Zeit, so bleibst du in Ewigkeit.

Großer Gott, wir loben dich: Dieses Lied gehört zu meinen frühesten musikalischen Erinnerungen, und immer ist ein Fest damit verbunden: Erntedank, Jahresschluss, Fronleichnamsprozession. Allein schon die Melodie strahlt etwas Feierliches aus – gerade weil sie so schlicht ist: Eine Quintspanne genügt ihr, nur je einmal wird dieser Umfang um einen Ton unter- und überschritten. Die Melodie wandert fast immer zu unmittelbar benachbarten Tönen. Diese Ruhe spiegelt sich auch im Rhythmus; das Tänzerische des Dreiertakts hat sich in einen ruhigen Prozessionsschritt verwandelt.

 2. Strophe

Alles, was dich preisen kann, Cherubim und Seraphinen
stimmen dir ein Loblied an, alle Engel, die dir dienen,
rufen dir stets ohne Ruh’: Heilig, heilig, heilig! zu.

Aber wie geht das: „Gott loben“? Und geht es überhaupt? Sicher nicht in dem Sinn, dass wir Gott Komplimente machen könnten oder müssten. Die Bibel versteht „Gott loben“ so: Wenn der Mensch in seinem Leben oder im Gang der Geschichte und der Natur staunend die Größe und Nähe Gottes ahnt, kann er das nicht für sich behalten; er muss seiner Freude Luft machen, muss davon reden, besser noch: singen, und er lädt andere Menschen, ja die Schöpfung ein mitzusingen: Großer Gott, wir loben dich - Himmel, Erde, Luft und Meere / sind erfüllt von deinem Ruhm.

Gott braucht unsere Lieder nicht; wir können aber vertrauen, dass sie ihn erreichen und freuen. Ein Text im katholischen Messbuch sagt: „Du bedarfst nicht unseres Lobes; es ist ein Geschenk deiner Gnade, dass wir dir danken. Unser Lobpreis kann deine Größe nicht mehren, doch uns bringt er Segen und Heil durch unseren Herrn Jesus Christus.“

3. Strophe

Dich Gott Vater auf dem Thron, loben Große, loben Kleine.
Deinem eingeborenen Sohn singt die heilige Gemeinde,
und sie ehrt den Heil’gen Geist, der uns seinen Trost erweist.

Dieses Lied hat weite Wege zurückgelegt. Seine Wurzeln reichen in die Psalmen des Alten Testaments zurück. Als lateinisches Morgenlied taucht das Te Deum laudamus – „Dich, Gott, loben wir“ im 6. Jahrhundert im Gottesdienst der Mönche auf und wandert im Mittelalter in das Stundengebet der Kirche. In der Barockzeit wurde das Te Deum zum Dankhymnus für festliche Anlässe, auch im staatlichen Leben; über 100 Komponisten haben es vertont – von Palestrina und Bach über Bruckner bis Arvo Pärt. Den Text, den heute viele Kirchen in ökumenischer Verbundenheit singen, hat um 1770 ein schlesischer Priester verfasst. Deutsche Auswanderer haben das Lied im 19. Jahrhundert nach Nordamerika mitgenommen; dort und in vielen anderen Ländern ist es zu einem beliebten Kirchenlied geworden.

1953 tauchte ein verschollenes Te Deum wiederauf, das der französische Musiker Marc-Antoine Charpentier im 17. Jahrhundert für einen Festgottesdienst komponiert hat; die jubelnde Fanfare, mit der es beginnt, erklingt seitdem weit über die Räume der Kirchen hinaus.

Marc Antoine Charpentier (+ 1704), Te Deum, aus der Einleitung.

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