Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

Gotteslob 883

 Wunderschön prächtige (SWR2/Carus 83.015, CD3, 29, Str 1, 0’57)

 Wunderschön prächtige,

Hohe und mächtige,

Liebreich holdselige himmlische Frau;

Der ich mich ewiglich

Weihe herzinniglich,

Leib dir und Seele zu eigen vertrau!

Gut, Blut und Leben

Will ich dir geben;

Alles, was immer ich hab, was ich bin,

Geb ich mit Freuden Maria, dir hin.

Bei diesem Lied sehe ich mich als kleines Mädchen in der Maiandacht sitzen und voller Inbrunst singen. Als Jugendliche habe ich mich entfernt von dieser Form, und Marienverehrung wurde mir ohnehin suspekt.

Der Ursprung dieses Liedes verliert sich im Dunkel. Auf jeden Fall gibt es eine Vorlage, die von einem Kapuziner aus Vorarlberg stammt mit dem schönen Namen Laurentius von Schnüffis. Wahrscheinlich sind hier Züge der Kaiserin Maria Theresia und Züge der himmlischen Frau verschmolzen. Theologisch ist das Ganze sehr spannend, zum Beispiel in Strophe 3 in der Fassung um 1790:

Weil du ganz makellos,

hat dich, o schönste Ros!

Der himmlisch Vater sein Tochter genennt.

Ja, auch der göttlich Sohn

in seinem höchsten Thron

sich zu dir als seiner Mutter bekennt.

Endlich die Ehren noch zu vermehren,

hat dir als seiner erwähltesten Braut

der heilig Geist sich ja selbsten vertraut.

(H. Becker, Geistliches Wunderhorn, München 2003, 346)

Dass hier die Verwandtschaftsverhältnisse völlig durcheinandergeworfen werden, zeigt, daß es nicht auf Logik ankommt. Es kommt einzig und allein darauf, Maria auf alle erdenkliche Weise zu rühmen und zu preisen.

Da ist einmal die Freude an der Schönheit, es ist die Größe, das Majestätische – im Kontrast zu andern Zügen in der Marienfrömmigkeit, wo sie nur demütig ist. „Gut, Blut und Leben.. alles, was immer ich hab, was ich bin, geb ich mit Freuden Maria, Dir hin“. Es gibt ja diesen Wunsch, sich jemandem total zu übereignen, und wenn das jemand Wichtiges, Geachtetes, Großes ist, dann macht das auch mich wichtig und groß.

Und vielleicht spielt hier auch eine große Rolle, daß Maria eine Frau ist. Ich muß Maria nicht zur Göttin erheben, um zu sagen, daß manche Menschen leichter den Weg zu ihr finden als zu Jesus und zu Gott, dem Vater.

 5. Einst auch Betrübete,

Vielfach Geübete,

Kennest der Seelen tief inneren Schmerz:

Niemand je untergeht,

der zu dir kindlich fleht,

Keinen verachtet dein mütterlich Herz;

Tröst uns im Leiden,

Stärk uns im Scheiden,

Bitte für uns deinen göttlichen Sohn,

Wann er uns ruft vor den ewigen Thron.

 (unterlegt: Wunderschön prächtige. 4 AMS M0275401 01-008  Für einstimmigen Chor und Orgel
Eder, Petrus; Chor der Stiftsmusik St. Peter, Augsburg; Kircher, Armin Unbekannt: Einsiedeln Maria, wir dich grüßen 2003 Studioproduktion; Vorspiel 0’25)

Maria, die Mutter, kennt menschliches Leben und Leiden. Sie hilft im Sterben. Vielleicht, weil sie beim Sterben Jesu zugegen war, auch wohl, weil sie der Legende nach mit Jesus zusammen dem hl. Josef beim Sterben beigestanden hat. Schließlich erscheint sie hier als die Frau, die den Mann bittet, doch nicht so streng mit den Kindern zu sein.

Nicht jeder wird dieses Lied singen wollen, das muß auch nicht sein. Ich finde, die „wunderschön prächtige“ nimmt dem dreifaltigen Gott der Bibel nichts weg, macht den Glauben aber um einige lebendige und kostbare Züge reicher.

Und sie hilft vielen Menschen im Leben, im Sterben, im Lieben und im Hoffen

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