Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

Wenn ich mit anderen über meinen Glauben diskutiere, dann kriege ich oft zu hören: „ „Es gibt gar keinen Beweis für den Glauben.“ Glaube wird hier als ein Ding oder eine Sache verstanden. Als etwas, dass sich beweisen lässt, wie ein Naturgesetz. Und wer dann glaubt, der muss sich dieser Sache sicher sein. Ganz anders erzählt das Lied »Suchen und Fragen« vom Glauben – und auch von Gott.

 1. Suchen und fragen, hoffen und sehn, miteinander glauben und sich verstehn, lachen, sich öffnen, tanzen, befrein: So Gott spricht sein Ja, so stirbt unser Nein.

 Das Lied »Suchen und Fragen« erzählt in Rätseln vom Glauben: Es geht um das Suchen und das Fragen. Von Wissen oder von Tatsachen ist hier nicht die Rede. Ich erlebe das ähnlich. Wieso glaubst du? Auf diese Frage kann ich antworten: Weil ich suche, weil ich frage. Weil ich mich nicht mit allem abfinden will, was ist. Ja, so lautet vielleicht der Einwand, aber Wissenschaftler suchen und fragen auch. Neue Erfindungen werden gemacht, weil Menschen neugierig sind, weil sie auf Antworten hoffen. Genau, sage ich dann, genau deshalb bin ich auch mit dem Glauben noch nicht fertig. Weil ich suche und frage. Und weil mir Technik und Wissenschaften nicht alle Antworten präsentieren können: Warum bin ich? Was soll ich tun? Wieso bin ich manchmal traurig? Welchen Sinn hat mein Leben?

 2.  Klagende hören, Trauernde sehn, aneinander glauben und sich verstehn, auf unsere Armut lässt Gott sich ein: So Gott spricht sein Ja, so stirbt unser Nein.

Alltägliche Situationen werden in »Suchen und fragen« geschildert. Menschen lachen miteinander, sie trauern, sie hören sich zu, sie tanzen und sind befreit, schwerelos. Auf den ersten Blick hat das alles nichts mit Glauben zu tun. Der Refrain aber deutet diese alltäglichen Situationen neu. Er sagt: Genauso, im Alltag, in den einfachen Situationen, spricht Gott, redet dich und dich und dich an. Und dieser Gott sagt „Ja“ – zu dir und zu allem, was ist.

3. Planen und bauen, Neuland begehn, füreinander glauben und sich verstehn, leben für viele, Brot sein und Wein: So Gott spricht sein Ja, so stirbt unser Nein.

Glauben, davon erzählt das Lied »Suchen und fragen«ist mitten im Leben anzutreffen. Glaube hat nichts mit einer Sonderwelt zu tun – sondern mit meiner Welt. In jedem Aufbruch, in dem Schritt, den ich auf andere Menschen hin machen. In jeder Mahlzeit, die wir miteinander teilen. Immer lässt sich Gottes „Ja“ zu dieser Welt hören – wenn ich nicht aufgebe, zu suchen und zu fragen.

 »Suchen und fragen«

Text: Diethard Zils

Musik: Jo Akepsimas

Chor der Schülerinnen und Dozentinnen des Instituts für Kirchenmusik, Mainz 

In: Eingeladen zum Fest des Glaubens. 63 neue und alte Lieder für den Gottesdienst

Institut für Kirchenmusik (Hg.), Mainz

BM 1299

CD 1, Take 15 (2:16)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=17159