Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

Er war ein dynamischer Mann: Albrecht von Brandenburg-Ansbach. Ursprünglich in Franken beheimatet, war er der letzte Hochmeister des Deutschen Ordens. Ein Mann mit politischem Gespür. Willensstark und gleichzeitig mit hingebungsvollem Gottvertrauen. Als der Ordensstaat – aus dem später Ostpreußen hervorging - in seine letzte große Krise kam, da suchte Albrecht den Kontakt zu Martin Luther.
Der Wittenberger Reformator riet ihm, den Ordensstaat in ein weltliches Herzogtum umzuwandeln. Albrecht folgte dem Rat und legte damit das Fundament für den späteren preußischen Staat.
Mit seiner Bekehrung zur Reformation hat Albrecht von Brandenburg sowohl Kultur- als auch Weltgeschichte geschrieben. Unter seiner Regentschaft wurde das kleine Herzogtum das erste protestantische Land der Welt. Anlaufstelle und Schutzmacht verfolgter Protestanten aus ganz Europa.
Albrecht stand aber auch Pate bei der Gründung der lutherischen Universität Königsberg im Jahr 1544. Er förderte das Schulwesen. Widmete sich der Verbreitung des Buchdrucks. Und schrieb selbst eine Vielzahl religiöser Texte und Lieder.
Eines, das heute noch im evangelischen Gesangbuch steht, habe ich Ihnen mitgebracht: „Was mein Gott will, gescheh allzeit.“

Musik: „Was mein Gott will gescheh all Zeit“, BWV 72, Choralstrophe (angespielt)

Was mein Gott will, gescheh allzeit
sein Will, der ist der beste.
Zu helfen dem er ist bereit,
der an ihn glaubet feste.
Er hilft aus Not,
der treue Gott,
er tröst’t die Welt ohn Maßen.
Wer Gott vertraut,
fest auf ihn baut,
den will er nicht verlassen.

Die Stürme des Lebens haben auch den Verfasser dieser Verse nicht verschont. Seine Ehefrau musste er früh zu Grabe tragen. Von ihren gemeinsamen sechs Kindern starben fünf noch bevor sie drei Jahre alt waren.
Die Frage, die sich Albrecht von Brandenburg in diesem Lied stellt, erreicht auch mich heute noch. Nämlich: Worauf kann ich mich letzten Endes verlassen? Was ist der Anker, der mir Halt gibt?
Glaube wie auch Vertrauen sind ja niemals aus der Luft gegriffen. Sie basieren auf Erfahrungen in das, was trägt. In schwachen wie in starken Stunden.
So verbinden sich auch bei Albrecht von Brandenburg Tatkraft und Entschlossenheit mit der Hingabe an Gottes Willen. Der Satz von Martin Luther, man solle beten, als ob alles Arbeiten nichts nütze und arbeiten, als ob alles Beten nichts nütze, hätte auch gut von ihm stammen können.
Darin fließt eine Lebenserfahrung zusammen, die mich fasziniert und inspiriert. Leidenschaftlich für etwas einstehen. Aber auch die Situation annehmen, in der menschlich nichts mehr zu machen ist. Engagement und Hingabe. Widerstand und Ergebung.
In der Gewissheit: „Wer Gott vertraut, fest auf ihn baut, den will er nicht verlassen.“

Musik: „Was mein Gott will gescheh all Zeit“, BWV 72, Choralstrophe

Musik: J.S.Bach, Herr, wie Du willt, so schicks mit mir, Kantate BWV 72, Schlusschoral, Gächinger Kantorei Stuttgart – Bach-Collegium Stuttgart
2000 Hänssler Verlag GmbH/Germany, MM4023-2  LC 06047

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