Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

Anfang dieses Jahres ist ein guter Freund von mir gestorben. Ich erinnere mich ganz oft an ihn. Meistens an Orten, wo wir zusammen etwas erlebt haben. Aber auch in Situationen, in denen ich genau weiß, was er jetzt sagen würde. Zum Beispiel, wenn ich beim Wandern an eine Kreuzung komme und keinen Plan habe, wie es weiter gehen soll. Dann hat er immer gesagt: „Erstmal eine rauchen!“

Dieses „Erstmal eine rauchen!“ hatte zwei Effekte. Mein Freund kam zu einer willkommenen Raucherpause und: nach der Pause waren unsere Köpfe wieder frei und wir haben das Problem mit frischem Mut und freiem Kopf angehen können. Das funktioniert übrigens heute noch. Ich rauche zwar keine, aber die virtuelle Raucherpause hilft mir meistens schon weiter, wenn ich irgendwo feststecke. Mein Freund hat mir also noch etwas mit auf den Weg gegeben.

 (evtl. im Hintergrund einblenden: Ihr Freunde Gottes allzugleich, Arrangement und Orgel: Kay Johannsen, in: Aus meines Herzens Grunde Instrumental CD2, track 20, Carus-Verlag 2011)

Gestern und vorgestern hat die Kirche das Fest  Allerseelen und Allerheiligen gefeiert. Das sind die Feiertage, an denen wir besonders an die Verstorbenen denken. Ich denke da besonders an meinen Freund, die Kirche gedenkt ihrer Heiligen. Ein Kirchenlied hat an diesen Tagen Hochkonjunktur. Es heißt „Ihr Freunde Gottes allzugleich“ und ist so etwas wie ein Hilferuf an alle Heiligen.

 (Ihr Freunde Gottes allzugleich, GL Nr. 608, Arrangement und Orgel: Kay Johannsen, in: Aus meines Herzens Grunde CD2, track 20, Carus-Verlag 2011)

 

1. Strophe:

Ihr Freunde Gottes allzugleich, verherrlicht hoch im Himmelreich,

erfleht am Throne allezeit uns Gnade und Barmherzigkeit.

Helft uns in diesem Erdental,

dass wir durch Gottes Gnad´ und Wahl

zum Himmel kommen allzumal.

In meinen Ohren klingt das wie ein Hilferuf. Die Freunde Gottes, also die Heiligen, werden gebeten, an Gottes Thron Barmherzigkeit für uns Menschen auf der Erde zu erflehen.

Der Text wurde 1621 von Friedrich Spee, einem Jesuiten, verfasst. Aus dieser Zeit heraus kann ich den Text auch gut nachvollziehen. Der 30-jährige Krieg war im Gange und die Pest hat gewütet. Da kann man schnell auf die Idee kommen, dass Gott die Menschen vergessen hat. Und dann kommen die Heiligen gerade recht. Sie haben alle mal unter uns gelebt und sind auch Gott bestimmt ganz nahe. Heute würde man sagen, sie sind so etwas wie die Lobby der Menschen im Himmel. Sie könnten dann ja beim „Chef“ ein gutes Wort für uns einlegen.

Das entspricht so gar nicht meinem Bild von Heiligen und auch nicht meinem Bild von Gott. Für mich ist Gott keiner, der weit weg von uns Menschen auf einem Thron sitzt. Im Gegenteil. Auch er ist ja Mensch geworden. Friedrich Spee hat aus diesem Stoff sogar seinen Nummer-1-Hit geschrieben: „Zu Bethlehem geboren“. Wir Menschen brauchen also keine Lobby bei Gott. Denn Gott ist uns nahe. So nahe, dass Jesus uns sogar vorgeschlagen hat, ihn liebevoll „Abba“, also Papa, zu nennen.

 (evtl. im Hintergrund einblenden: Ihr Freunde Gottes allzugleich, Arrangement und Orgel: Kay Johannsen, in: Aus meines Herzens Grunde Instrumental CD2, track 20, Carus-Verlag 2011)

Der Apostel Paulus hat die Christen einmal als „Leib Christi“ bezeichnet. Jeder einzelne hat an diesem Leib eine wichtige Aufgabe. Und alle sind miteinander verbunden und füreinander da. Für mich gehören zu diesem Leib nicht nur die Lebenden, sondern auch die Verstorbenen. Unsere Freunde und Verwandten, aber auch die Heiligen. Sie sind unsere Verbündeten. Und so kommt es, dass Menschen zum Heiligen Antonius beten, wenn sie etwas suchen. Oder zum Heiligen Blasius, wenn sie Halsschmerzen haben.

Am Anfang habe ich von meinem verstorbenen Freund erzählt. Sie erinnern sich: wenn´s mal nicht mehr weiter ging, hat er immer gesagt: „Erstmal eine rauchen!“. Genauso können uns Heilige durch ihr Leben Hinweise geben, wie wir gut leben können. Und so sehe ich Verstorbene und Heilige als Freunde der Menschen an und als Freunde von Gott. Heilige als Bindeglied zwischen Himmel und Erde – das steckt auch in dem Kirchenlied von Friedrich Spee.

(Ihr Freunde Gottes allzugleich, GL Nr. 608, Arrangement und Orgel: Kay Johannsen, in: Aus meines Herzens Grunde CD2, track 20, Carus-Verlag 2011)

 3. Strophe:

Wir bitten euch durch Christi Blut, die ihr nun weilt beim Höchsten Gut.

Tragt vor die Not der Christenheit der heiligsten Dreifaltigkeit.

Helft uns in diesem Erdental,

dass wir durch Gottes Gnad´ und Wahl

zum Himmel kommen allzumal.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=16351