Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

Lied: Maria, breit den Mantel aus (GL 595)

M0275401 Petrus Eder (Orgel)

Ein Jugendzentrum in Berlin-Marzahn. Mitten im Eingangsbereich steht da eine Marienfigur. Sie steht im Eingangsbereich, dort wo sie jeder sehen kann. Das Jugendzentrum ist vor allem da für Jugendliche, die Probleme haben einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Tag und Nacht ist dort jemand. 24 Stunden lang. Und die Maria mit dem großen Schutzmantel steht auch immer da. Manchmal stecken ihr Jugendliche kleine Zettel zu. Sie legen sie dann immer direkt unter ihren Mantel.

1. Strophe:    Maria, breit den Mantel aus

mach Schirm und Schild für uns daraus;

lass uns darunter sicher stehn,

bis alle Stürm vorübergehn!

Patronin voller Güte,

uns allezeit behüte!

M0275401 Chor der Stiftsmusik St. Peter Augsburg Armin Kircher (Leitung) 2003

Das Marienlied ist 370 Jahre alt und beschreibt, worauf Menschen im 17. Jahrhundert gehofft haben: sie wollten beschützt sein und endlich sicher sein vor allen möglichen Gefahren: vor schlimmen Krankheiten zum, Beispiel.

Gott selbst war für die Menschen im 17. Jahrhundert weit weit weg. Er thronte irgendwo dort oben im Himmel. Ganz anders als die „Schutzmantelmadonna". Sie hat etwas Menschliches und Mütterliches. Bei ihr hat man das Gefühl Unterschlupf zu finden, wenn Unwetter oder Gefahr droht.

2. Strophe:    Dein Mantel ist sehr weit und breit,

er deckt die ganze Christenheit,

er deckt die weite, breite Welt,

ist aller Zuflucht und Gezelt.

Patronin voller Güte,

uns allezeit behüte!

M0275401 Chor der Stiftsmusik St. Peter Augsburg Armin Kircher (Leitung) 2003

Diese Textstelle gefällt mir besonders gut: „(Der Mantel) deckt die weite, breite Welt, ist aller Zuflucht und Gezelt." Zuflucht also für alle. Nicht nur für fromme Beter. Nein, auch Zuflucht für die weite, breite Welt. Vielleicht auch für die bunte oder frustrierte Welt.

M0271050 Hans- Jürgen Hufeisen Marienkonzert Innere Kraft (Klavier und Flöte) 2007

Ich stelle mir vor wie die fünfzehn- oder sechzehnjährigen Jugendlichen im Flur des Jugendzentrums in Berlin ihre Zeit vertreiben. Das sind junge Menschen aus völlig verschiedenen Hintergründen. Alle haben sie irgendwie Probleme mit dem Leben. Und die Schutzmantelmadonna steht bei ihnen - unerschütterlich.

Diese Jugendlichen brauchen jemanden, der zu ihnen genauso unerschütterlich sagt: Wo du herkommst ist nicht entscheidend, auch nicht, was du alles schon vermasselt hast. Entscheidend ist nur, ob du dich unter den Mantel stehen willst oder nicht.

Ich selbst habe in meinem Leben vieles gut hinbekommen: die Schule, meine Ausbildung. Trotzdem macht mich die Welt manchmal wehrlos und ängstlich. Ich erinnere mich dann an Maria und ihren Mantel. Und für mich heißt das dann in übertragenen Sinne: Unterschlupf suchen bei treuen Freunden, Halt suchen bei lieben Menschen, die mir offen begegnen.

Am besten finde ich bei Menschen Unterschlupf, die mir erlauben schwach zu sein und die mich verteidigen, wenn es draußen zu hart zugeht. Das sind nicht viele Menschen, aber es reicht.

Vielleicht ist das auch die Botschaft der Schutzmantelmadonna im Berliner Jugendzentrum: Wenn es im Leben zu hart für dich kommt, dann vertrau dich Gott an und einem guten Menschen.

M0271050 Hans-Jürgen Hufeisen Marienkonzert Innere Kraft (Klavier und Flöte) 2007

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