Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

Musik:  

Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren!
Meine geliebete Seele, das ist mein Begehren.
Kommet zu Hauf. Psalter und Harfe wacht auf,
Lasset den Lobgesang hören!

Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret,
Der dich auf Adelers Fittichen sicher geführet,
Der dich erhält, wie es dir selber gefällt;
Hast du nicht dieses verspüret?

Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet,
Der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet.
In wieviel Not hat nicht der gnädige Gott
Über dir Flügel gebreitet.    

(Aus meines Herzens Grunde, SWR2 und Carusverlag 2012, 1'50)

Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren - eines der bekanntesten Kirchenlieder. Geschrieben wurde es 1680 von Joachim Neander, einem protestantischen Liederdichter. „Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen", diesen Satz aus Psalm 103 stellt er seinem Lied voraus. Davon inspiriert dichtet er ein neues Loblied und unterlegt es mit einer Melodie, die es schon gab, einer Melodie, die zu Herzen geht. „Lobe den Herren" gehört zu einer Liedersammlung, die zunächst nicht für den Kirchenraum bestimmt war, sondern zum Singen in der Familie und in der Natur. Neander war selbst sehr viel in der Natur. Ergriffen von ihrer Schönheit fordert er seine Seele auf, Gott zu loben. Neander hält Zwiesprache mit der Seele - mit der Seele, die sich geliebt wissen darf und deswegen allen Grund hat zu loben, mit den Klängen der Harfe und des Psalters, einer Art Zither. Das ganze Lied ist ein Gespräch mit der Seele, die zum Loben gedrängt wird, die nichts anderes will, als Gott zu loben.

Neander lobt Gottes Weltregierung und seine Sorge für den Menschen. Und überhaupt das „Wunder Mensch", wie er uns künstlich, also kunstvoll und künstlerisch und fein erschaffen hat und über jeden Einzelnen schützende Flügel ausspannt. So ist ein Lied entstanden, das Menschen damals wie heute aus vollem Herzen singen. Manchmal sicher auch fragend und zweifelnd, - wir erfahren die Welt und das eigene Leben ja längst nicht nur als gut. Aber es gibt sie, diese Erfahrung, in den schlimmsten Stürmen wie auf Adeleres Fittichen getragen worden zu sein.

Joachim Neander ist nur 30 Jahre alt geworden. Das Lied „Lobe den Herren" hat er am Ende seines Lebens geschrieben. Und dazu die Melodie eines Liedes verwendet, das es schon gab, mit einem geradezu entgegengesetzten Text: „Hastu Herr Jesus dein Angesicht gäntzlich verborgen". Das hat man vorher auf diese Melodie gesungen. Kann es Zufall sein, dass Neander ausgerechnet dieses Lied verwendet? Oder ist es ein bewusster Schritt von der Klage zum Lob? Vom Schmerz, dass Gott sich verbirgt, zum Vertrauen, bei ihm geborgen zu sein.

(Vorspiel von: 94 AMS M0018948 01-002
Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren Choral, BWV 137 Nr. 5
Windsbacher Knabenchor; Bläserensemble Rekkenze-Brass; Beringer, Karl-Friedrich
Bach, Johann Sebastian Lobe den Herren: Choräle für Chor, Bläser und Orgel 1990 Studioproduktion, 0'35)

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