Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

(GL 534)

Brot und Wein sind elementare Lebensmittel. Brot ist ein Grundnahrungsmittel, es steht fürs Überleben. Und mit Wein verbinden sich Genuss und Freude, es steht für ein überfließendes Leben. Brot und Wein gehören zusammen: Sie erzählen von einer Welt, in der Menschen überleben können und feiern dürfen. Der christliche Gottesdienst greift diese Spannung auf, stellt auch deshalb Brot und Wein in den Mittelpunkt. Wie das Lied »Herr, wir bringen in Brot und Wein«.

Herr, wir bringen in Brot und Wein unsere Welt zu dir. / Du schenkst uns deine Gegenwart im österlichen Mahl. (Refrain)

Deutlich ist zu hören: Das ist kein traditionelles Kirchenlied. Es ist aber auch kein modernes Popstück. »Herr, wir bringen in Brot und Wein« steht dazwischen. Der Musiker Peter Janssens (1934-1998) hat das Lied - zusammen mit Hans-Bernhard Mayer - 1965 geschrieben. Janssens gilt als Mitbegründer der „Neuen Geistlichen Musik". Sie versucht den Glauben in einer heutigen Sprache und damit auch in der Musiksprache der Gegenwart zu erzählen.

Herr, wir bringen in Brot und Wein unsere Welt zu dir. / Du schenkst uns deine Gegenwart im österlichen Mahl.
1. Groß ist der Herr, wir wollen ihn preisen./ Sein ist die Erde und was auf ihr lebt. / Seine Geschenke sind unsere Gaben.


Brot und Wein werden traditionell im Gottesdienst zum Altar getragen. Bei der Gabenbereitung stehen diese elementaren Lebensmittel im Mittelpunkt. Was ich spannend finde: Das Lied erzählt von einer Gabenbereitung „all inclusive". Es wird die ganze Welt zum Altar getragen. Es ist „unsere Welt". Das heißt auch: Der Gottesdienst gehört nicht in eine andere, fromme, heilige Welt hinein, sondern er hat mit meiner Welt zu tun. Und diese ganze Welt, das sagt die erste Strophe, erzählt wiederum von Gott. Die Erde, alles, was lebt, kann mir etwas von Gott sagen. Und in Brot und Wein kann ich diese Gegenwart Gottes auch erfahren.

Herr, wir bringen in Brot und Wein unsere Welt zu dir. / Du schenkst uns deine Gegenwart im österlichen Mahl.

3. Was er uns gibt, das gibt er für alle, / damit wir es teilen mit allen Menschen. / So sind wir Freunde an seinem Tisch.

Die Abendmahls- oder Eucharistiefeier geht auf das letzte Mahl Jesu mit seinen Freunden zurück. Jesus teilt Brot und Wein aus. Und er macht Brot und Wein zu Symbolen für sein Leben. Jesus selbst will lebensnotwendig sein. Will in Brot und Wein gegenwärtig sein. Er verteilt sich sozusagen an die Menschen.

Zu Recht hat deshalb der Theologe Hans Weder das Christentums als eine Religion bestimmt, deren Kern aus Teilen und Austeilen besteht.

Das Lied »Herr, wir bringen in Brot und Wein« greift diesen Gedanken auf - und weitet damit den Gottesdienst. Gottesdienst ist immer dann, wenn Menschen austeilen, was sie haben, mit anderen teilen, was da ist. Das ist dann gelebter Glaube. Und schenkt dann vielleicht auch eine Ahnung von dem, wie Gott in dieser Welt wirkt, wie Gottes Gegenwart erfahren werden kann.

Heute gehen in vielen katholischen Kirchengemeinden Kinder zur Erstkommunion. Sie haben sich lange vorbereitet, ihren Glauben vertieft. Sie nehmen heute zum ersten Mal an der Eucharistiefeier, dem gemeinsamen Abendmahl, teil. Und sie erfahren hoffentlich, was es heißt, wenn sie singen:

Herr, wir bringen in Brot und Wein unsere Welt zu dir. / Du schenkst uns deine Gegenwart im österlichen Mahl.

 

Herr, wir bringen in Brot und Wein

Text: Hans-Bernhard Mayer nach einem Text von Huub Osterhuis

Musik: Peter Janssens

Satz: Winfried Offele

 

Dakapella, Emstek-Bühren

Chorgemeinschaft St. Peter und St. Willehad, Oldenburg

Susanne Decker, Querflöte

Stefan Decker, Orgel

 

In: Auf, lasst uns jubeln dem Herrn. Lieder und Gebete aus dem Bistum Münster

Edition organum, Rheine

Dialogverlag Münster

LC 12646

CD 2, Take 7 (3:22)

Stefan Decker, Orgel

https://www.kirche-im-swr.de/?m=15072