Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

(Alles meinem Gott zu Ehren, Kay Johannsen (Orgel), 2011, Carus 02. 119/99)

S.D.G. - Diese drei Buchstaben zieren Jahr für Jahr die Weihnachtspost meiner Tante. Immer rechts oben in der Ecke, da stehen sie. Diesmal waren sie mit zitterndem Stift geschrieben. Meine Tante ist alt geworden.

S.D.G. - Soli Deo Gloria. „Alles allein zur Ehre Gottes". Was für ein hoher Anspruch!

1) Alles meinem Gott zu Ehren, in der Arbeit in der Ruh,

Gottes Lob und Ehr zu mehren, ich verlang und alles tu´.

Meinem Gott allein will geben Leib und Seel mein ganzes Leben;

Gib oh Jesu Gnad dazu, gib oh Jesu Gnad dazu.

(Alles meinem Gott zu Ehren, Klaus Mertens (Gesang), Kay Johannsen (Orgel), 2011, Carus 83.015

Über 280 Jahre ist der Text dieses Kirchenliedes alt. Es ist nicht bekannt, wer ihn geschrieben hat. Auf jeden Fall wird es ein leidenschaftlicher Mensch gewesen sein. Einer, der die Verbindung mit Gott in allem gesucht hat. „Meinem Gott nur will ich geben, Leib und Seel´ mein ganzes Leben". Das ist wirklich ein barocker Text. Das ganze Leben richtet sich auf Gott aus.

(Orgel/Sprechen)

Ich glaube, meine Tante meint es mit ihren drei Buchstaben ähnlich. Sie widmet ihr ganzes Leben Gott. Das passt.

Wie kann das aber mir gelingen? Mein Leben ist voll von Terminen und Aufgaben, mit Kontakten und Zeitdruck. Wenn ich da noch ständig an Gott denken müsste, würde mich das überfordern. Aber trotzdem: Das „Soli Deo Gloria" kommt in meinem Leben vor.

Zum Beispiel wenn ich Angst habe vor einer schwierigen Situation. Da bedeutet Gott zu ehren für mich, dass ich mich daran erinnere, dass Gott mich unterstützen wird, auch wenn ich noch nicht weiß wie.

Gott ehren, das geht aber auch in glücklichen Momenten. Zum Beispiel dann, wenn ich mich von jemandem wirklich verstanden fühle. Dann mache ich mir bewusst, dass mein ganzes Leben von Gott kommt. Und dass Gott da ist, wo ich mit anderen wirklich auf einer Wellenlänge bin.

2) Dich Maria, will ich ehren, die du uns das Heil gebracht,

und dein Leben soll mich lehren, was mich ewig selig macht.

Lass mich dich recht kindlich lieben, nie durch eine Sünd betrüben,

schütze mich bei Tag und Nacht, schütze mich bei Tag und Nacht.

(Alles meinem Gott zu Ehren, Klaus Mertens (Gesang), Kay Johannsen (Orgel), 2011, Carus 83.015

In der zweiten Strophe der alten Liedversion rückt Maria in den Mittelpunkt. Sie soll mich begleiten, ein Vorbild für mich sein. Das klingt, als hätte der Textschreiber geahnt, dass dieses „Soli Deo Gloria" Menschen maßlos überfordern kann. Maria soll helfen.

„Typisch katholisch", denke ich, wenn Maria und später in der dritten Strophe dann auch noch die Heiligen angerufen werden.

Maria hat ihre überraschende Schwangerschaft und viele schwierigen Aufgaben gemeistert. Und auch viele Heiligen haben ihren Glauben mutig und tatkräftig gelebt. Irgendwie tut mir das auch gut, mich in so einer Gemeinschaft zu wissen.

Und dann spricht mir auch der Schluss des Kirchenliedes aus der Seele. „Engel, Heilige, hoch erhoben, eure Hilfe uns erweist."

So eine Hilfe werde ich dringend brauchen im neuen Jahr. Dann, wenn ich versuche Gott im Blick zu behalten. Ich hoffe, das ich so meine altgewordene Tante in Ehren zu halten kann und natürlich auch Gott selbst.

3) Dich all Kreaturen loben, Vater, Sohn und heilger Geist!

Engel, Heilige, hoch erhoben, die ihr Gott im Himmel preist,

dass auch wir in diesem Leben Gott allein die Ehre geben,

eure Hilfe uns erweist, eure Hilfe uns erweist.

(Alles meinem Gott zu Ehren, Klaus Mertens (Gesang), Kay Johannsen (Orgel), 2011, Carus 83.015

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