Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

(GL 465)
Worte von Detlev Block 1978/2012, Musik von Johann Steurlein 1575

 Liedstrophe 1

Das Jahr steht auf der Höhe,

die große Waage ruht.

Nun schenk uns deine Nähe

und mach die Mitte gut.              

"Das Jahr steht auf der Höhe …" – und die Tage werden seit gut zwei Wochen schon wieder kürzer. Ganz allmählich und unmerklich. Eine Zeile aus dem Lied "Das Jahr steht auf der Höhe" sagt es so: "Kaum ist der Tag am längsten, wächst wiederum die Nacht". Wachsen und Vergehen, das prägt den Kreislauf der Natur, mit Tageszeiten und Jahreszeiten. Und jede Seite hat auch ihre Kehrseite – davon handelt die zweite Strophe des Liedes. 

Liedstrophe 2:

Kaum ist der Tag am längsten,     

wächst wiederum die Nacht.

Begegne unsern Ängsten

mit deiner Liebe Macht.

Das Dunkle und das Helle,

der Schmerz, das Glücklichsein

nimmt alles seine Stelle

in deiner Führung ein.                         

Jeden Tag lese ich – in der Zeitung, in Fachbüchern und manchmal in der Bibel. Unser Lied heute liest sozusagen im "Buch der Natur". Es singt vom Blühen und Reifen, von dem, was auf der Erde geschieht und was am Himmel sich abspielt. Der Autor Detlev Block ist nicht nur evangelischer Theologe, sondern auch begeisterter Amateur-Astronom. Die Sterne faszinieren ihn. Zugleich beunruhigt ihn eine Frage: Wie können wir uns trösten und ermutigen, wenn uns der Gedanke niederdrückt, dass alles vergänglich ist und nichts für immer bleibt? Unser Lied besingt die schöne Natur, in die man sich fast verlieben kann. Die Melodie stammt sogar von einem mehr als 400 Jahre alten Liebeslied:        

Mit Lieb bin ich umfangen, Herzallerliebste mein.

Nach dir steht mein Verlagen, möcht immer bei dir sein.           

  

Da ist sie wieder, die Vergänglichkeit. "Möcht immer bei dir sein" singt das Liebeslied. Als Detlev Block vor bald 40 Jahren sein geistliches Sommerlied auf die alte Melodie geschrieben hat, wollte er im unerschöpflichen Buch der Natur blättern. In jedem Vers kommt aber zugleich das Buch der Bibel mit ins Spiel. Die dritte Strophe nennt Christus. Er ist das Ziel, der Fixstern auf der Reise durch Jahr und Tag. Das letzte Wort ist dann ein österliches Wort. Es heißt Auferstehung. Im "Buch der Natur" klingt die Auferstehung schon leise an – in den Frühlingsknospen oder im Sonnenaufgang oder den Klängen einer Musik. Wer im "Buch der Natur" zu lesen versteht, findet viele Spuren auf dem Weg seines Glaubens. Auch mit unserem Lied, das die Mitte des Jahres bedenkt und am Ende Christus findet, der die Mitte von allem ist. Der Wunsch der ersten Strophe "… und mach die Mitte gut", er hat sich in Christus erfüllt. 

         Du wächst und bleibst für immer,

         doch unsre Zeit nimmt ab.

         Dein Tun hat Morgenschimmer,

         das unsre sinkt ins Grab.

         Gib, eh die Sonne schwindet,

         der äußre Mensch vergeht,

         dass jeder zu dir findet

         und durch dich aufersteht.                                       

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