Manuskripte

SWR1 Sonntagmorgen 3vor8

„Hörst Du mir eigentlich zu?" Diese Frage ist ein Klassiker. Für den, der sich nicht genügend beachtet fühlt wie auch für den der einfach unaufmerksam ist. Zuhören ist elementar. Zwischen Liebenden ist Zuhören so wichtig wie Sex. Zwischen Eltern und Kindern, wenn die Kinder nicht nur gehorchen sollen, sondern verstehen und aufnehmen was ihre Mutter oder ihr Vater ihnen sagen will. Genauso wichtig ist es aber auch für die Eltern immer wieder ihren Kindern zuzuhören. Und beim Glauben ist es auch nicht anders. Es heißt ja schon sprichwörtlich, dass er vom Hören kommt.
Aber unsere Welt ist so voll von Geräuschen und von akustischen Ablenkungen dass das Hören, das Zuhören oft schwerfällt. Weil wir immer mehr gewohnt sind Dinge zu überhören, weil wir so viel nebenbei hören. Aber Beziehungen, Erziehung und der Glaube gehen nur gut wenn man gut zuhören kann. Und wie geht das, gut zuhören? Vor allem indem ich konzentriert und offen zuhöre. Auf-merk-sam, hell-hörig, interessiert. Indem ich darauf achte welche Worte gewählt werden, wie sie ausgesprochen werden. Indem ich darauf achte was nicht gesagt wird, indem ich Pausen höre und aushalte. Weil in den Pausen nachgedacht, nachgefühlt werden kann. Die Gefühle hausen in den Pausen, heißt es. Natürlich kann und braucht man auch nicht immer so hochkonzentriert zuhören. Aber wenn es wichtig wird unbedingt! Denn wenn man bei Problemen, Entscheidungen oder bei Liebesdingen nicht bei der Sache ist wird sie leicht schief gehen.
Aber wenn man bei der Sache ist, wenn man zuhören, horchen kann, dann können die Worte einsinken, können sie arbeiten und am Ende wirken.
In den katholischen Gottesdiensten geht es heute genau um dieses Thema. Wie können Worte wirken, wie kann das Wort Gottes wirken? Dazu gibt es einen rund 3000 Jahre alten Text zu hören. Mit einem schönen Naturbild beschreibt der Prophet Jesaja die Wirkung des Wortes Gottes wenn es auf geöffnete Seelen trifft:

Wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, sondern die Erde tränkt und zum Keimen und Sprossen bringt ...  so ist es auch mit dem Wort das meinen Mund verlässt. Es kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt was ich will und erreicht das wozu ich es ausgesandt habe."

Einen schönen Sonntag wünsch' ich Ihnen!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=11052

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