Manuskripte

SWR1 Sonntagmorgen 3vor8

Mk 2, 27
„Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht, nicht der Mensch um des Sabbats willen.“

Kirche nervt! Stand als Schlagzeile auf der ersten Seite meiner Zeitung. Kirche nervt – zum Beispiel wenn sie auf Gebote und Vorschriften hinweist, die längst nicht mehr zeitgemäß scheinen. Die Sonntagsruhe zum Beispiel. Geschäftsleute, Gewerbevereine und Unternehmer sind genervt, weil die Kirchen gegen verkaufsoffene Sonntage und Schichtarbeit auch am Sonntag protestieren.
Und viele denken: Warum gönnen sie uns den Einkaufsspaß am Sonntag nicht? Kirche nervt! Und wer sich in der Bibel auskennt, der könnte auf Jesus hinweisen. Der hat das mit der Sonntagsruhe anscheinend auch nicht so eng gesehen. Der hat großzügig darüber hinweggesehen, dass seine Jünger auf einem Feld Ähren abrissen und aßen, als sie hungrig waren. Das war in biblischer Zeit ausdrücklich erlaubt – nur am Sabbat nicht, dem jüdischen Feiertag, denn das Ährenraufen galt als Arbeit. Die religiösen Führer damals kritisierten das heftig, endlich hatten sie etwas gegen diesen Jesus in der Hand.
Na also, sagen Sie jetzt vielleicht: nicht einmal Jesus hat das so eng gesehen, wie die Kirche heute. Kirche nervt!
Aber ich glaube, man muss genauer hinschauen: Am Sabbat, am Sonntag soll niemand arbeiten müssen – nicht für die Geschäfte anderer, auch nicht für das eigene Geschäft, nicht einmal für den eigenen Lebensunterhalt. Dafür gab und gibt es das dritte Gebot, du sollst den Feiertag heiligen. Niemand soll immerzu arbeiten müssen. Der Sonntag soll ein Tag der Freiheit sein. Freiheit von dem, was man sonst muss. Freiheit für das, was man möchte: für die Familie, für das Hobby, für Freunde, zum Feiern, zum Ausruhen, zum Nachdenken. Menschen brauchen einen Tag, wo sie Ruhe haben um zu spüren: ich brauche nicht all das, was ich kaufen könnte. Es sind ganz andere Dinge, die mich glücklich machen. Der Sonntag ist ein Tag, um Freiheit auszuprobieren.
Aber natürlich soll die Sonntagsruhe niemandem das Leben schwer machen. Natürlich soll niemand am Sonntag Hunger haben, Kranke sollen auch am Sonntag nicht ohne Hilfe bleiben. Es ist gut, dass Menschen tun, was sie können, um anderen auch am Sonntag das Leben leichter zu machen.
Jesus hat deshalb seinen Kritikern gesagt: „Der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat“ Wir Menschen brauchen so einen Tag an dem man seine Pflichten nicht so eng sehen muss. Und ich finde es gut, wenn die Kirche daran erinnert – auch wenn das manche ein bisschen nervt. https://www.kirche-im-swr.de/?m=2373

Netiquette

Anregungen, Lob, Kritik - hier können Sie sich zu unseren Sendungen im SWR äußern.

Ihre Kommentare werden moderiert und dann so bald wie möglich freigeschaltet.

Wir bitten Sie aber, bei Ihren Beiträgen folgendes zu beachten:
Ein Anspruch auf Veröffentlichung eines Kommentars besteht grundsätzlich nicht.
Ihre Kommentare sollten fair und sachlich gehalten sein. Wir bitten Sie die folgende Richtlinien bei Ihren Kommentaren zu kirche-im-SWR.de zu beachten.

Kommentare dürfen nicht

  • strafbar oder die Rechte Dritter verletzend
  • gegen die guten Sitten verstoßend
  • beleidigend oder ehrverletzend
  • politisch oder religiös extrem
  • Religionen, Weltanschauungen, Menschen pauschal verurteilend
  • fremdsprachlich
  • pornographisch, obszön oder jugendgefährdend
  • unsinnig oder anderweitig inakzeptabel sein.
  • Kommentare sollen sich auf Sendungen der Kirchen im SWR Programm beziehen.
  • Es dürfen keine Beiträge mit gewerblichem und/oder werbendem Charakter eingestellt werden.
  • Eine kommerzielle Nutzung durch z.B. das Anbieten von Waren oder Dienstleistungen ist nicht erlaubt.
  • Die Beiträge dürfen keine Links enthalten.
  • Zitate müssen durch die Angabe einer Quelle bzw. des Urhebers belegt sein.

Wir behalten uns vor, Beiträge nicht zu veröffentlichen.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir anonyme Beiträge nicht freischalten, melden Sie sich daher bitte mit Ihrem Namen an. Geben Sie am besten auch Ihre E-Mail- Adresse an, damit wir Ihnen gegebenenfalls individuell antworten können.

Durch das Abschicken Ihres Beitrags räumen Sie kirche-im-SWR.de das Recht ein, Ihre Beiträge dauerhaft zu präsentieren, in Beiträge einzuarbeiten (ohne Namensnennung) oder sie nach redaktionellem Ermessen zu löschen. Wir behalten uns vor, diese Richtlinien ggf. zu ändern bzw. zu ergänzen.

Wenn Sie Anmerkungen haben, die Sie uns direkt zukommen lassen möchten, die aber nicht veröffentlicht werden sollen, schicken Sie uns bitte eine Mail an: ev.rundfunkpfarramt.bw@kirche-im-swr.de

Schließen