Manuskripte

SWR1 Sonntagmorgen 3vor8

„Nun lach’ doch mal“, wie oft hab ich diese unsinnige Aufforderung schon gehört. Wenn einem nicht zum Lachen ist, dann geht das nicht auf Knopfdruck. Lachen, gute Laune, Freude lassen sich nicht so einfach von außen herstellen.
„Freut Euch“, so hat der Apostel Paulus vor rund 2000 Jahren an eine Gemeinde in Griechenland geschrieben. In Philippi lebte die erste christliche Gemeinde auf europäischen Boden. Paulus, unermüdlich Reisender in Sachen Glaubensverbreitung hatte sie gegründet. Und an diese Gemeinde schrieb er nun, dass sie sich „freuen“ solle.
Aber worüber? Und warum schreibt er das? Die zweite Frage zuerst: Paulus, auf seinen Missionsreisen immer wieder im Konflikt mit römischen Behörden, war mal wieder ins Gefängnis geworfen worden. Und von dort schrieb er einen Ermutigungsbrief an die Gemeinde in Philippi. Paulus war so beseelt von seinem Glauben, dass ihm selbst die sicher sehr unangenehmen Umstände in einem Knast der Römer nicht die Lebensfreude nehmen konnten. Und diese will er weitergeben. Sein Aufruf zur Freude hat aber noch einen tieferen Grund: Die frühen Christen rechneten mit der baldigen Wiederkehr des auferstandenen Jesus und damit mit dem Ende aller Tage. Dem schönen Ende aller Tage, an dem sich das Reich Gottes erfüllt. Aber es kam halt nicht. Und je länger diese Erwartung unerfüllt blieb, desto größer wurde die Enttäuschung und die Verunsicherung bei den ersten Christen. Deshalb schreibt Paulus die Gemeinde in Philipi: “Freut Euch, freut Euch im Herrn zu jeder Zeit.
Mit diesem zu jeder Zeit will Paulus die Perspektive verändern. Die ersten Christen Philippis sollen sich nicht auf das selige Übermorgen fokussieren, sondern die Freude und Schönheit des Glaubens wahrnehmen, die sie jetzt schon erfahren.
(Damit hat Paulus hat ein wesentliches und zeitloses Element des christlichen Glaubens beschrieben: Innere Freude hier und jetzt, auch wenn die vollkommene Freude noch aussteht.)
Ja, und wo erfahre ich diese Glaubensfreude in meinem Leben?
Immer da, wo ich spüre, da ist jemand echt, da stimmen christliches Reden und Handeln überein. Immer dann, wenn ich einen Gottesdienst erlebe der stimmig ist. Bei dem Herz und Verstand zusammenkommen. Und ich mir vorstelle, dass an diesem Sonntagvormittag Millionen von Menschen miteinander feiern, beten, singen oder ganz einfach nur friedlich sind. Und Freude empfinde ich dann, wenn mir ein gläubiger Mensch das Gefühl vermittelt, Du bist willkommen, frei und geborgen. Und mir durch ihn hindurch eine Ahnung gibt von der menschenfreundlichen Güte Gottes.
Einen schönen dritten Advent wünsche ich Ihnen! https://www.kirche-im-swr.de/?m=291

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