Manuskripte

SWR4 Abendgedanken RP

 Teil I

Im SWR 4 Blickpunkt Kirche geht es heute um den Heiligen Martin. Morgen ist sein Gedenktag. Martin ist im Bewusstsein der Menschen hier in Rheinland-Pfalz sehr lebendig, denn viel Brauchtum ist mit ihm und seinem Gedenktag verbunden. Überall im Land finden Martinsumzüge statt, Martinsfeuer werden abgebrannt, die Kinder bekommen Bretzel oder Weckmänner zu seinen Ehren geschenkt. Und jedes Kind kennt die Geschichte vom Bettler, mit dem Martin seinen Mantel teilt.

Martin ist ein Mann des vierten Jahrhunderts. Geboren wurde er als Sohn eines römischen Soldaten im heutigen Ungarn und gestorben ist er als Bischof von Tours im heutigen Frankreich. Er war der bedeutendste Missionar Galliens und zum römischen Gallien gehörten auch weite Teile unserer Heimat. Nach seinem Tod setzte eine große Verehrung ein und im 5. Jahrhundert wurde er zum Schutzpatron der Franken. Das bedeutendste Heiligtum der fränkischen Könige war die Mantelhälfte des Heiligen Martin, zu gut Latein: die „Cappa". Seiner Cappa übrigens verdanken wir auch die Wörter Kapelle für kleine Kirche und Kaplan für einen Priester, der noch in der Ausbildung ist. Denn die fränkischen Könige waren immer unterwegs, sie reisten von Königspfalz zu Königspfalz und hatten seine Cappa immer dabei. Und die wurde natürlich in der jeweiligen Palastkirche aufbewahrt und die bekam dann den Namen „capella" und der Hilfsgeistliche, der auf die Cappa aufpassen musste, war der „cappelanus", der Kaplan. Von Karl dem Großen, dem bedeutendsten fränkischen König, wissen wir, dass er eine Abbildung des Mantels als sein Feldzeichen benutzte.

Einige Jahrzehnte nach seinem Tod, im 9. Jahrhundert, wurde das große fränkische Reich immer wieder geteilt. Im Laufe der Geschichte wurden daraus Deutschland und Frankreich. Und in beiden Ländern verehrten die Menschen den Heiligen Martin. In Frankreich trugen im Mittelalter über dreieinhalbtausend Kirchen seinen Namen. In der Pfalz ist heute noch jede zehnte Pfarrkirche eine Martinskirche und an der Mosel sogar jede siebte. Er ist unser gemeinsamer Heiliger, der heilige Martin, der gemeinsame Heilige von Deutschen und Franzosen.

Morgen, an seinem Gedenktag, ist in Frankreich sogar staatlicher Feiertag. Das hat aber leider nichts mit dem Heiligen Martin zu tun, denn Kirche und Staat sind in Frankreich strickt getrennt. Morgen ist in Frankreich „L'Armistice", der Tag an dem man an den Waffenstillstand nach dem Ersten Weltkrieg erinnert. Dieser wurde nämlich am 11. November 1918 unterzeichnet -  am Martinstag. Wie dieser Tag heute in Frankreich begangen wird und welche Rolle dort der Heilige Martin noch spielt, darüber hören sie gleich im zweiten Teil von Blickpunkt Kirche Melita Soost, die Leiterin des Hauses Burgund in Mainz.

 Teil II  

SWR 4 Blickpunkt Kirche. Morgen ist  ein Tag an dem so einiges zusammenkommt. Es ist der Tag des Heiligen Martins, die Karnevalisten feiern morgen - am 11.11. - den Beginn der närrischen Zeit und in Frankreich ist ein staatlicher Feiertag: „L'Armistice", man erinnert an den 11. November 1918, als der Waffenstillstand nach dem Ersten Weltkrieg im Wald von Compiègne unterzeichnet wurde. Und das steht in Frankreich auch im Vordergrund, Melita Soost, Leiterin des Hauses Burgund in Mainz: 

Der Heilige Martin spielt bestimmt für manche Leute in Frankreich eine gewisse Rolle, aber er wird nicht so gefeiert. Der Beginn des Karnevals, das haben wir gar nicht in Frankreich, also 11.11. schon gar nicht. Aber tatsächlich das Ende des 1. Weltkriegs spielt eine gewisse Rolle, es ist auch ein offizieller Feiertag in Frankreich. 

Und wie das bei staatlichen Feiertagen ist, gibt es hierfür ein festes Programm.

 Erstmal natürlich in Paris ganz groß bei dem Triumphbogen gibt's Feierlichkeiten da wird die Flamme des unbekannten Soldaten angezündet mit offiziellen Vertretern der Präsident Sarkozy wird da sein und in jedem kleinen Ort in ganz Frankreich. Wo ein Denkmal steht für die gefallenen Soldaten wird erinnert, in jedem kleinen Ort in ganz Frankreich.

 Im letzten Jahr hat Angela Merkel auf Einladung von Nicolas Sarkozy an den offiziellen Feierlichkeiten in Paris teilgenommen. Damit wurde der Tag nicht nur ein Tag des Gedenkens an die vielen Toten des ersten Weltkrieges, sondern auch zu einem Tag, an dem man sich über die Aussöhnung zwischen Deutschen und Franzosen freut. Melita Soost:

 Also das Frau Merkel da war, es wurde sehr gut aufgenommen. Und die Reaktion auch von der Presse und die Reaktion von den Franzosen war sehr positiv. Ich meine die Deutsch-Französische Freundschaft existiert jetzt schon lange inzwischen und ich glaube, dass beide Bevölkerungen froh sind, dass es mit Feindlichkeiten und Kriege vorbei ist. Und wir sind auch sehr glücklich, unsere beiden Völker, dass wir nicht mehr solche Kriege erleben.

 Freude über die Aussöhnung ausgerechnet am Tag des Hl. Martins, eigentlich eine tolle Sache. Obwohl die Verehrung des Heiligen Martins in Frankreich leider nicht so gepflegt wird wie in Deutschland.

 So wie ich das kenne hier aus Deutschland, ich kenn das von den Kindern, die mit diesen Laternen durch die Straßen gehen, es wird alles in den Schulen vorbereitet. Nein, das ist bei uns nicht der Fall. Apropos Schulen nicht vergessen bei uns in Frankreich ist ja Trennung von Kirche und Staat. Also in den Schulen, in den staatlichen Schulen wird natürlich nicht gebastelt und die Geschichte erzählt von dem Heiligen Martin. Das gehört nicht zu dem Programm.

 Schade eigentlich, dass die Franzosen ihren Heiligen Martin nicht mehr feiern. Ob sich da was ändern könnte, da bleibt Melita Soost eher skeptisch.

 Ich meine jedes Land hat seine Kultur und seine Bräuche. Es wird vielleicht schwieriger das so zu machen in Frankreich wie hier. Ich find das schön, dass die Franzosen, die ja vielleicht an dem Tag zu Besuch sind, das erleben und den Gedanken nehmen sie nach Hause mit.

 Naja, wenn Franzosen öfter an St. Martin zu Besuch kommen, vielleicht bekommen sie ja dann doch Geschmack, ihren und unsern Heiligen Martin ein bisschen mehr zu feiern. Denn schon immer war der Martinstag ein Tag an dem gerne gefeiert wurde und das geht natürlich nicht ohne essen und trinken. Mehr dazu gleich nach der Musik.

 Teil III

Der morgige Martinstag steht heute im Mittelpunkt von SWR 4 Blickpunkt Kirche. In der Geschichte wurde dieser Tag immer besonders gefeiert. Und da nach altem Brauch der Kirche die Gedenk- und Feiertage immer am Vorabend beginnen, sollten Sie mit dem Feiern am besten heute Abend beginnen.

„St. Martin setzt sich schon mit Dank am warmen Ofen auf die Bank." So einer der vielen Bauernsprüche zum Martinstag. Die Bedeutung: Spätestens bis zum Martinstag hatte man alles geerntet und man konnte sich ausruhen. Und nicht nur ausruhen, sondern auch das, was man geerntete hatte, genießen. So sagt ein anderer Spruch: „Auf Martini schlacht man feiste Schwein und wird der Most zu Wein." Nur in der kalten Jahreszeit, und die beginnt ja jetzt, führte man früher Hausschlachtungen durch. Und hinzukam, dass der erste neue Wein trinkreif war. Frisches Fleisch und neuer Wein, das wurde natürlich gefeiert. Dass aus dem geschlachteten Schwein vielerorts auch eine geschlachtete Gans wurde, hängt mit einer Legende vom Heiligen Martin zusammen. Der hat sich nämlich vor den Leuten, die ihn unbedingt zum Bischof machen wollten, in einem Gänsestall versteckt.

Ein großes Fest zu Ehren des Heiligen Martin kann man morgen ganz besonders in dem Weinort erleben, der seinen Namen trägt: St. Martin in der Pfalz. Und hier an der Weinstraße gibt es auch ein Beispiel dafür, dass es auch junge Bräuche um den Heiligen Martin gibt. Man kann auch immer wieder etwas Neues erfinden. So geschehen im Jahre 1980. Man hatte sich in St. Martin eine neue, 90 Kilo schwere, Martinsstatue geleistet. Und man war der Meinung, die sollte nicht nur in der Kirche stehen, sondern in gewisser Weise durch den Ort wandern. Und das geschieht so: Morgen früh wird die Statue des Heiligen Martins, die ein Jahr lang auf einem Weingut stand, in feierlicher Prozession zur Kirche gebracht. Dort findet ein festlicher Gottesdienst mit ihm statt und anschließend wird er - wieder in feierlicher Prozession - zu einem anderen Weingut gebracht, wo er dann ein Jahr lang bis zum nächsten Martinstag stehen wird. Wem das zu volkstümlich ist: In St. Martin kennt man auch noch einen andern Brauch: Die Mantelstückaktion. Das Mantelstück des Heiligen Martin ist ein Symbol für die tätige Nächstenliebe. In Erinnerung daran gibt es in St. Martin einen Wein, der diesen Namen trägt. Und von jeder verkauften Flasche Mantelstück wird ein Teil des Verkaufspreises sozialen Zwecken zugeführt.

Also wenn das Feiern immer auch mit Teilen verbunden ist, dann ist das ganz gewiss im Sinne des Heiligen Martins. Und dann ist es auch gut, wenn zu mindest bei uns das Martinsbrauchtum weiter gepflegt wird.

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