Manuskripte

SWR1 Sonntagmorgen Begegnungen

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Teil 1. Manager und Mensch

Wer Mainz rheinabwärts verlässt kann das große Bürogebäude der DB Schenker Rail nicht übersehen. Hier arbeitet Dr. Klaus Kremper, Chef der größten Güterbahn Europas. Da bleibt wenig Zeit für Privatleben oder gar Hobbys. Und doch engagiert sich Kremper für eine kirchliche Stiftung. Aus Überzeugung – wobei der überzeugte Christ erlebt, dass sich sein Glaube verändert. Der Grund: Klaus Kremper muss beruflich in viele Länder reisen – und lernte viele andere Menschen und andere Religionen kennen

Dem Christentum verbunden zu sein ist eine wichtige Sache, sie schließt aber auch ein, dass man sich für andere Themen öffnet, für andere Religionen. Und insofern würde ich sagen, bin ich jemand, der eher ökumenisch denkt, grundsätzlich weit über das Christentum hinaus. Das hängt vielleicht auch damit zusammen, dass ich im Studium mal ne Zeitlang im arabischen Raum war und die Jahre danach auch viele andere Religionen erlebt habe.

Der Mann hat keinen leichten Job. Dr. Klaus Kremper leitet den Schienengüterverkehr der Deutschen Bahn in Deutschland und Europa, ist verantwortlich für 36.000 Mitarbeiter und 5 Milliarden Euro Umsatz. Auch in seinem Arbeitsbereich wirkt sich die Weltwirtschaftskrise aus. Für Kremper ist das keine neue Situation:

Ich musste hier über 10.000 Arbeitsplätze abbauen die letzten Jahre. Und ich hab das den Betriebsräten und Mitarbeiten sehr früh kommuniziert, dass wir sonst nicht überleben können. Wenn man das erklärt hat, ist eine Bedingung erfüllt. Und die andere ist, man muss dann Wege finden es umzusetzen, dass der einzelne trotzdem nicht in seiner Existenz zerstört wird.

Mit anderen reden, das ist sein Credo. Und er ist stolz darauf, dass es in seinem Geschäftsfeld keine betriebsbedingten Kündigungen gab. Dass er so mit Mitarbeitern reden konnte, dass sich für jeden eine Lösung finden ließ. Ich vermute, dass ihm seine Ausbildungen hier hilfreich waren. Kremper stimmt zu. Der Mann ist Maschinenbauer, studierte Wirtschaftswissenschaften und machte seinen Doktor in Volkswirtschaftslehre. Und er hat erlebt:

Es ist immer gut, wenn man mit Technikern über Lokomotiven diskutieren kann ... oder mit Kaufleuten halt über Geschäftspläne oder mit Juristen über Kartellrecht. Also es gibt da schon sehr viele Bezugspunkte. Aber mit denen sprechen zu können, die gleiche Sprache zu haben, das hat natürlich einen sehr großen Nährwert.

Mit anderen reden, wende ich ein, heißt aber auch, ihnen nahe zu kommen. Dann werden aus Personalnummern plötzlich Menschen mit einem Gesicht, einer Geschichte. Und solche Menschen setzte ich nicht so mir nichts dir nichts auf die Straße. Klaus Kremper wird deutlich:

Wenn ich morgens im Pressespiegel lesen muss, dann könnte man meinen: alle Manager sind Verbrecher. Ich kann ihnen sagen, was meine Person betrifft ….: Wenn man Personal abbauen muss, geht das auch dem Management sehr nahe. Weil das Management sehr wohl weiß, dass da Familien betroffen sind und so weiter und so fort. Das ist vollkommenere Blödsinn, davon auszugehen, dass das Management ganz locker jetzt mal 10.000 Arbeitsplätze abbaut.

Ich fühle mich ertappt. Denn wir sitzen am Rand der Mainzer Innenstadt in einem riesigen Bürokomplex, unten gibt’s eine Anmeldung – und keiner spaziert hier einfach so rein oder raus. Ich hatte schon den Verdacht, dass eine solche Atmosphäre einen Manager auch von seinen Mitarbeitern abschirmt. Das Gegenteil ist der Fall, erfahre ich. Kremper erzählt, dass Beschäftigte Briefe schreiben, dass er viele Einzelschicksale kennt. Und er Gewinnmaximierung nicht als das Alleinseligmachende ansieht. Der Bahnmanager verweist ohne viel Aufhebens auf seinen christlichen Glauben.

Wenn man eine Prägung hat und sich auch dazu bekennt, dann kann man die ja nicht einfach negieren. Die ist natürlich da und sie ist immer wieder handlungsleitend. Bei mir ist das mit Sicherheit so, dass da ganz entscheidende Impulse für die tägliche Arbeit immer auch aus der Überzeugung kommen, die man so über viele Jahre sich so angeeignet hat.

Ich frage mich, wie der Glaube für einen Manager handlungsleitend sein kann. Für Klaus Kremper ist das klar.

Die Art, wie man mit Mitarbeitern umgeht ist für mich da ein Beispiel. Die Würde des anderen zu akzeptieren und letztlich bevor man jemanden dominiert, dass man erstmal hört, was er so zu sagen hat und warum das so ist und weshalb und dann am Ende versucht, mit ihm gemeinsam eine Lösung zu finden.


Teil 2. Religion im Gespräch

Am Rande der Mainzer Innenstadt arbeitet Dr. Klaus Kremper in einem unübersehbaren Bürogebäude. DB Schenker Rail steht an der Front. Und Kremper leitet das riesige Logistik- und Transportunternehmen, Europas größte Güterbahn. Dabei ist Kremper in eher engen Verhältnissen groß geworden – die ihn bis heute prägen.

Ich komme aus einem eher kleinen Dorf in Rheinland-Pfalz und der Katholizismus ist vermutlich eher einer, den man beschreiben könnte mit Volksfrömmigkeit, der nicht so reflektiert wurde, hinterfragt wurde. Das ist ankonditioniert im Zuge der Sozialisierung. Dazu gehörte auch 12 Jahre Messdiener.

Seinen Kinderglauben, so stelle ich fest, hat der Güterbahnchef lange abgelegt. Auch, weil er lange in anderen Ländern gearbeitet hat. Die Grundüberzeugung, so sagt es Kremper bleibt aber. Wie aber war das, in der arabischen Welt zu arbeiten, als Christ?

Spannend. Man musste sich da so rantasten. Man wusste natürlich nie, wie weit man gehen kann. Manchmal verwirrend. Kurzum: Wir saßen da nachts zusammen und haben diskutiert über den Islam bzw. über den Katholizismus. Und ich war von vorneherein bekennender Katholik und drumherum saßen zehn Kameraden, die waren eben bekennende Moslems und das war ungemein spannend.

Religion, der eigenen Glaube, das fasziniert mich an den Erfahrungen Krempers, verhindern nicht das Gespräch mit anderen, ganz im Gegenteil.

Ne Religion mal gespürt zu haben, … zu spüren, dass die Religion anders tickt, das hat einen großen Mehrwert. Das hat einen sehr großen Mehrwert auch im geschäftlichen Miteinander, weil man dann einfach viele Dinge von vorne herein anders spürt und erahnt und dieses natürlich in die eigene Verhaltensweise einfließen lassen kann.

Die eigene Religion als geschäftsfördernd? So weit, das spüre ich, will Kremper gar nicht gehen. Für ihn ist Glaube nicht Mittel zum Zweck. Eher hilft er beim Umgang mit anderen.

Ich glaube es gibt vieles einfach aus dem Missverständnis heraus. Es ist nicht per se so, dass die Menschen sich aufgrund der Religionen nicht austauschen können. Das ist nicht das Problem. Sondern es ist eher die Bereitschaft dem anderen zuzuhören, verstehen zu wollen, wie er tickt und warum er so tickt, wie er tickt.

Wie ein roter Faden zieht sich diese Hoffnung durch unser Gespräch: Dass Menschen sich verstehen und akzeptieren – und so einen Umgang miteinander finden. Für Klaus Kremper, das spüre ich, ist das keine Masche, sondern wesentlich für sein Leben und seine Arbeit:

Die Akzeptanz für Verschiedenheit, die Akzeptanz für den Menschen als solchen unabhängig von der Frage, wo er herkommt, und was er gerade macht, und einfach das Respektieren der Würde der Menschen. Wenn das gegeben ist, dann glaube ich, sind die Verschiedenheiten, bedingt durch die Kulturen und Sprachen, die sind dann überwindbar. https://www.kirche-im-swr.de/?m=6010

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