Manuskripte

Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

19OKT2020
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Was fühlt der Falke wenn er fliegt? Die Amsel, wenn sie ein Nest baut? Und der Hund, wenn mit dem Schwanz wedelt? Können Tiere fühlen? In der Wissenschaft ist umstritten, ob sie Gefühle haben. Es fängt schon damit an, ob das, was sie empfinden, auch Gefühl oder Emotion genannt werden kann wie bei uns Menschen. Aber dasssie etwas empfinden ist sicher. Elefanten weinen, richtige Tränen, wenn sie traurig sind. Kaninchen können eifersüchtig sein und Hunde neidisch. Ist ja auch kein Wunder, wenn unsere verwandten Lebewesen, unsere Mitgeschöpfe, die Tiere, ein Seelenleben haben.
Fühlt also der Falke so etwas wie Freiheit, wenn er fliegt? Die Amsel so was wie Fürsorge, wenn sie ein Nest baut? Und der Hund Freude, wenn er mit dem Schwanz wedelt? Aber sicher! Und ich denke sogar, dass Tiere in mancherlei Hinsicht auch Vorbilder für uns Menschen sein können. Wenn sie fürsorglich und verlässlich ein Nest bauen wie eine Amsel. Den Wind nutzen um sich von ihm tragen lassen wie der Falke beim Flug. Wenn sie die Trauer ausleben können wie der Elefant, eigensinnig sind wie eine Katze oder so unverbrüchlich treu wie ein Hund. Über Hunde hat die Autorin Kristina Reftel sich ausführlichere Gedanken gemacht, und zwar darüber, was wir Menschen von ihnen alles lernen könnten. Das find ich so gut, dass ich es gern weitergeben möchte. So könnten wir also folgendes von den Hunden übernehmen: 

Wenn jemand, den du liebst, nach Hause kommt, dann lauf ihm freudig entgegen.

Lass das Gefühl von frischer Luft und Wind auf deinem Gesicht immer Grund genug sein für ein ekstatisches Glücksgefühl.

Beiß nicht, wenn es ausreicht zu knurren.

Lass es andere wissen, wenn sie in dein Revier eingedrungen sind.

Laufe, hüpfe und spiele jeden Tag eine Weile.

Mach immer wieder ein Nickerchen – und streck dich immer genüsslich, bevor du aufstehst.

Genieße es, wenn jemand dir Aufmerksamkeit schenkt (…)

Egal, wie oft du ausgeschimpft wirst, schmolle nicht. Renne lieber zurück und versöhne dich stattdessen. (…)

Sei loyal.

Gib nie vor, etwas anderes zu sein, als du bist.

Wenn etwas, das du haben willst, vergraben ist, grabe so lange nach, bis du es findest.

Wenn jemand einen schlechten Tag hat – sei still, setz dich in die Nähe und tröste dadurch, dass du einfach da bist.

 

 

Quelle: Kristina Reftel: Ich habe nach dir gewonnen. Weisheits-Geschichten für einen anderen Blick auf das Leben. Goldmann2015, S. 44f.

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