Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

11OKT2020
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Im Frühling sind dieses Jahr reihenweise Erstkommunionfeiern ausgefallen. Viele werden jetzt im Herbst nachgeholt. Und deshalb erklingt unser Lied zum Sonntag heute bestimmt in vielen Kirchen. Weil es toll zum Thema Erstkommunion passt, und weil Kinder es sehr gerne singen. 

Musik: 1. Strophe 

Komponiert und getextet hat das Lied der Liedermacher Chris Herbring. Er war Gitarrist und Leiter der Band „sacro pop“ aus Hattingen und hat über 300 geistliche Lieder komponiert. 

Der Refrain des Liedes trifft das Innerste meines Glaubens. Da heißt es: „Gott, du verwandelst das Brot in Jesu Leib, und du verwandelst den Wein in Jesu Blut.“ Das mit dem „verwandeln“ ist ja so eine Sache – da muss man wirklich dran glauben. Und viele, mit denen ich über den Glauben ins Gespräch komme, zweifeln genau daran: dass Gott die Hostie im Gottesdienst in Jesu Leib verwandelt. 

Ich erzähle dann gerne die Geschichte von unseren Verlobungsringen: Meine Frau und ich haben uns ganz spontan in Dublin in einem Pub verlobt. Es war so spontan, dass ich nicht einmal Ringe hatte. Die habe ich kurz entschlossen in einem Souvenirladen gekauft - für 5 Euro mit keltischem Muster drauf. Ich habe sie im Pub hervor gezaubert, meine Frau hat „ja“ gesagt, und dann gab´s ein Tablett Guinness für den ganzen Tisch, weil das in Irland so üblich ist. 

Es gibt bestimmt tausende von diesen keltischen Souvenir-Ringen. Nach der Verlobung waren sie natürlich keinen Cent mehr wert als zuvor, und chemisch sind sie garantiert unverändert. Aber für uns beide sind die Ringe einzigartig und total wertvoll, denn sie haben sich durch diesen Abend verwandelt.  So stelle ich mir das mit der Wandlung der Hostie in den Leib Jesu vor. Sie verwandelt sich, weil so viel dahintersteckt, und vor allem, weil Liebe dahinter steckt – die Liebe Gottes zu uns. 

Musik: 2. Strophe 

„Du verwandelst das Brot in Jesu Leib, du verwandelst den Wein in Jesu Blut.“ Das sind sinngemäß die Worte, die Jesus auch beim letzten Abendmahl gesagt hat: „Dies ist mein Leib.“ Heute noch sagt das der Priester im Hochgebet, während er die Hostie hochhält. 

Früher wurde im Gottesdienst Lateinisch gebetet, und da heißt „Dies ist mein Leib“ übersetzt: „Hoc est enim Corpus meum“. Da die Leute in den Bänken das oft nicht so genau verstanden haben und nur wussten, dass jetzt gerade das Brot „gewandelt“ wird, ist daraus der Begriff „Hokuspokus“ entstanden. Hört sich ja auch wirklich ein bisschen danach an. Ist es aber nicht. Das Brot wird nämlich nicht durch einen Zaubertrick verwandelt, sondern durch Liebe - genau wie bei unseren Verlobungsringen. Nur war es bei den Ringen die Liebe zwischen meiner Frau und mir, im Gottesdienst ist es die Liebe Gottes zu uns Menschen. Und die hat sich besonders in Jesus gezeigt. 

Der letzte Satz des Refrains heißt „Verwandle du auch uns“. Da steckt der Wunsch dahinter, dass der Gottesdienst mehr sein möge, als sich ans letzte Abendmahl zu erinnern oder Jesus zu begegnen oder Gemeinschaft zu spüren. Der Glaube soll auch etwas bewirken in mir, er soll mich verändern. Er soll mich darin bestärken jesusmäßig zu leben: anzupacken wo es ungerecht zugeht, wo Menschen in Not, am Rand oder einsam sind. Und der Glaube soll mich zu einem hoffnungsvollen Menschen machen. 

Musik: 3. Strophe

 

Christian Herbring und die Gruppe sacro pop:  Dieses kleine Stück Brot

Tonträger: Wir feiern Erstkommunion (Track Nr. 5), Label: Audio Kösel, München 2007

https://www.kirche-im-swr.de/?m=31771