Manuskripte

Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

28SEP2020
AnhörenDownload
DruckenAutor

Familie. Die meisten denken da an Vater und Mutter und Kinder. Das ist sozusagen die „normale“ Familienform bei uns. Auch in der Werbung und so. Und manchmal bekommt man da vielleicht den Eindruck: Nur so geht Familie „richtig“.

Viele Menschen leben aber auch ganz anders zusammen. Und interessanterweise ist das schon in der Bibel so. Wenn man die Geschichten dort liest, findet man von Anfang an ganz andere Familien-Zusammensetzungen. Jakob zum Beispiel, der hat vier Frauen – gleichzeitig. Bewertet wird das übrigens nicht, damals war das recht verbreitet, wenn man denn für alle Familienmitglieder sorgen konnte. Hagar ist alleinerziehende Mutter für ihren Sohn Ismael. Noomi und Ruth sind als Schwiegermutter und Schwiegertochter unterwegs. Und Maria und Marta leben mit Lazarus in einer Geschwister-WG zusammen.

Familie kann also ganz unterschiedlich aussehen. Im Gottesdienst bei uns haben wir diese Geschichten neulich zum Thema gemacht. Und dabei haben wir gemerkt: Entscheidend ist immer, dass Menschen gut miteinander umgehen. Dass sie füreinander da sind, Anteil nehmen, sich das Leben gegenseitig ein Stück leichter und lebenswerter machen. Und das hängt erst mal gar nicht ab von der äußeren Form. Die entscheidenden Fragen des Zusammenlebens sind wahrscheinlich in jeder Familienform dieselben.

In den biblischen Familiengeschichten ist eins aber immer gleich. In allen spielt der Segen Gottes eine Rolle. Familien sind darauf angewiesen, dass Gott sie begleitet und ihren Zusammenhalt stärkt. Jakob merkt das zum Beispiel daran, dass seine vielen Familienmitglieder auch in großen Herausforderungen beieinanderbleiben. Hagar und ihr Sohn Ismael erleben in einer Notsituation Bewahrung. Noomi und Ruth sind ein Leben lang füreinander da. Und Maria und Marta bekommen Besuch von Jesus, der ihnen eine wichtige Lebensweisheit mitgibt.

Wenn man es so sieht, dann ist Familie doch überall dort, wo Menschen verantwortlich miteinander leben und dabei Gottes Begleitung brauchen. Und dafür muss man noch nicht mal verwandt sein miteinander. Dann kann man als Familie vielleicht auch mal die Nachbarn sehen, die sich gegenseitig besuchen. Oder die Beschäftigten und die Bewohner auf einem Stockwerk im Pflegeheim. Oder die Teammitglieder aus derselben Abteilung, die beruflich gut miteinander auskommen und gemeinsam was erreichen. Vielleicht fallen Ihnen ja noch mehr Beispiele ein.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=31741