Manuskripte

SWR3 Gedanken

13SEP2020
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Ich habe es mir gemütlich gemacht in meinem Klappstuhl und blicke in den blauen Abendhimmel. Wir feiern Open – Air Gottesdienst. Den ersten seit dem Lockdown. Der Parkplatz ist groß genug, um Abstand zu halten. Musikkirche live -   so heißt dieser Gottesdienst, den wir seit einigen Jahren alle zwei Monate feiern.

Lieder, die ich auch sonst im Radio höre, werden hier gespielt. Live performt von einer Band. Und es sind Menschen da, die erzählen, wie ihr Glaube sie im Alltag trägt. So macht das heute auch Miriam, eine junge Lehrerin. Eine Bibelstelle, die sie ausgesucht hat, die trifft bei mir an diesem Abend einen Nerv. Da sagt Gott: „Denn siehe, ich will ein Neues schaffen […] Ich mache einen Weg in der Wüste und Wasserströme in der Einöde." (Jes 43,19) Einöde – das trifft  meine Situation der letzten Monate ganz gut.

Soziale Kontakte - nur auf Abstand oder digital. Kulturelle Highlights, unbeschwert feiern oder in den Arm nehmen– seit März auf unbekannte Zeit verschoben. Das fehlt mir. Und trotzdem: ich will durchhalten, will niemanden gefährden. Übe mich im Verzicht. Umso wichtiger ist mir die Zusage Gottes: „Denn siehe, ich will ein Neues schaffen. […] Ich mache einen Weg in der Wüste und Wasserströme in der Einöde.“ (Jes 43,19) Dieser Vers ist für mich eine Zusage Gottes, dass es auch wieder anders wird. Weil er für uns das Leben in Fülle will. So wie ich es an jenem Abend bei der Musikkirche Live erahnen konnte.

Diesen zuversichtlichen Moment nehme ich mit in meinen Alltag und trage ihn in mir wie einen kostbaren Schatz: Gott ist auch in meiner Einöde bei mir, und er wird sie irgendwann wieder verwandeln - in ein Leben in Fülle.

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