Manuskripte

SWR2 Wort zum Tag

14SEP2020
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„Paß gut auf dich auf“ - diesen Wunsch höre ich öfter beim Verabschieden. Gewiss lieb gemeint und richtig im Sinne der Selbstsorge. „Gib auf dich acht“ und nimm deine Bedürfnisse ernst, deine Gefühle vor allem. Und doch stört mich der Wunsch: er macht mir Druck, sogar Stress. Im Straßenverkehr soll ich aufpassen, gesund soll ich essen, meine Arbeit gut erledigen, jetzt auch noch die Geschichte mit den Masken und den Rücksichten wegen Corona. Immer dieses „du mußt“. Und jetzt soll ich auch noch auf mich selbst aufpassen.

Ich sage lieber: „Bleib behütet“. Das klingt entspannter und entspannender. Ich könnte auch sagen: „Lassauf dich aufpassen“. Da ist schon etwas, was dich sein lässt. Es gibt ein gutes Geschick, es gibt eine gute Macht, die schon da ist - wie der Atem z.B. oder das Sonnenlicht. Sagen wir ruhig: Gott. Längst bevor ich anfange, auf mich aufzupassen, ist da schon eine andere Instanz: sonst wäre ich gar nicht. Und der kann ich vertrauen. Natürlich habe ich selbst Verantwortung zu übernehmen, auch und gerade für mich. Aber längst waren andere vorher für mich da, und vor allem das Geheimnis, das wir Gott nennen.

„Er bewahrt deine Füße vor dem Stolpern; er, dein Beschützer, schläft niemals.“  So heißt es treffend in einem der biblischen Psalmen. „Er behütet dich, er spendet dir Schatten und steht dir bei.“ Wörtlich übersetzt heißt es sogar. „Er ist der Schatten auf deiner rechten Hand.“  Ein zärtliches Bild, vor allem in der Hitze, wenn einem die Sonne auf die Haut brennt. Die rechte Hand ist ja nicht irgendein Organ, jedenfalls beim Rechtshänder. Etwas in die Hand nehmen, überhaupt handeln können – das alles stellt der Psalm unter Gottes Schutz und Schirm: „Du bist behütet“.

Dann hieße der Wunsch zum Abschied nicht länger: „Pass auf dich auf“, sondern: „Lass auf dich aufpassen“. Stell dich bewusst unter diesen Schutz und Schirm, unter diesen Schützer. Das hat natürlich auch mit Eigenverantwortung zu tun und mit Selbstsorge, aber es geschieht im Vertrauen auf eine andere, eine höhere Instanz. „Der Lebendige behütet dich, wenn du gehst und wenn du kommst, jetzt und für alle Zeit.“ Am Schluss ist nicht vom Gehen die Rede, sondern vom Kommen – vom zur Welt kommen im Vertrauen auf seine Güte. Bleiben Sie behütet!

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