Manuskripte

SWR2 Wort zum Tag

31JUL2020
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„Alles Gute kommt von oben“ – heißt es in einer Redensart. Wenn man auf den Regen schaut, den die Natur im Sommer so nötig braucht, leuchtet das unmittelbar ein. Doch der Aussagegehalt des Sprichworts reicht weiter: Das Gute, das von oben kommt, meint den Segen Gottes. Und das passt gut zusammen mit so mancher biblisch-christlichen Vorstellung, dass Gott seinen Segen auf die Menschen legt, dass er seinen Segen wie Regen über sie ausgießt.

Ein schönes Bild: Unter dem Segen Gottes kann menschliches Leben wachsen und gedeihen. Es kann aufblühen. Doch wo und wie kommt mir solcher Segen zu? Bisweilen erscheint mir das Leben, das ich lebe, als eine reichlich trockene Angelegenheit. Da sind Durststrecken zu überwinden, und ich lechze nach frischer Lebensenergie wie eine durstige Pflanze nach dem lebenspendenden Regenwasser.

Doch ich kenne auch die andere Erfahrung: dass Gottes Segen wirklich auf mich herabregnet. Und eigenartigerweise ganz anders als beim natürlichen Regen: Hier habe ich den Eindruck, dass ich selbst etwas dazu tun kann, zumindest mich dafür bereit machen kann, Segen zu empfangen.

Ich erzähle hier einfach von einer persönlichen Übung, die mir dabei hilft, empfänglich zu werden für Gottes Segen. Mir gelingt das am besten in der persönlichen Stille und im Gebet. Ob am Morgen eines Tages oder am Abend. Ob täglich, wöchentlich oder einmal im Monat. Ob zuhause, beim Spazierengehen im Wald oder in einer offenen Kirche. Der Augenblick des Innehaltens macht es aus; das kurze Aussteigen aus einer Alltagsmaschinerie, die mich permanent weitertreibt.

Ich beginne dann oft mit einer kleinen Geste des Dankes: Wofür kann ich dankbar sein in diesen Tagen, die ich gerade erlebe? Worin erlebe ich die Wohltaten Gottes? Dann kommen meine Fragen, meine Sorgen, meine Wünsche: Welche Herausforderungen liegen vor mir? Was benötige ich dafür an Kraft?

Dabei wird mir oft bewusst, wie sehr all mein menschliches Vermögen in einer höheren Macht wurzelt, nämlich in der Kraft Gottes selbst. Mit meinem bisweilen kleinen Glauben, mit meiner empfundenen Ohnmacht, meinen Zweifeln und meinem Verzagtsein kann ich mich an Gott wenden und ihn um die rechte Kraft für meinen Alltag bitten – täglich neu; und er wird sie spenden, ausregnen lassen, alle Tage aufs Neue.

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