Manuskripte

Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

01AUG2020
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Bäume sind echte Teamplayer. Zwar steht jeder für sich, aber unterirdisch sind sie durch ihre Wurzeln miteinander verbunden.

Die Dresdner Professorin Uta Berger erforscht die Wurzelnetzwerke der Bäume seit vielen Jahren. Sie sagt: „Unter der Erde verwächst das Wurzelgewebe, sodass für die vernetzten Bäume eine Art gemeinsames (…) Versorgungssystem entsteht." Die Netzwerke nützen also den Bäumen. Denn sie wachsen besser und können Angriffe von Schädlingen abpuffern, wenn sie noch mit gesunden Bäumen verbunden sind.

Ich glaube, in diesem Punkt sind wir Menschen den Bäumen ganz ähnlich. Auch für uns ist es wichtig, mit anderen verbunden zu sein. Allein können wir nicht existieren. Das fängt schon an, wenn wir auf die Welt kommen und die Pflege und Zuneigung der Eltern brauchen. Das geht in der Jugend weiter, wenn wir Gleichaltrige brauchen, um uns zu entwickeln und zieht sich weiter durch das ganze Leben. Selbst wenn ich noch so eigenständig bin: ganz alleine geht´s nie. Privat nicht und auch nicht in unserer Gesellschaft, in Europa oder der ganzen Welt.

Das ist nichts Neues. Auch die Bibel sagt gleich zu Anfang über den Menschen: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist.“ (Gen 2,18) Und so macht in der Schöpfungsgeschichte Gott aus der Körperseite des Menschen einen zweiten. Zwei, die sich zusammentun können. Die einander tragen können, wenn einer schwach ist. Zwei, die miteinander das Leben teilen und einander bestärken können.

Oft ist diese Verbindung zwischen Menschen und die gegenseitige Unterstützung im Alltag von außen erkennbar. In Freundschaften, Familien oder Partnerschaften.
Aber wie bei den Bäumen, glaube ich, dass es zwischen Menschen auch unsichtbare Netzwerke gibt, die stärken. Wie gut tut es zum Beispiel, wenn ich weiß, dass in einer schweren Zeit jemand an mich denkt. Oder dass ich Freunde habe, die zwar weit weg wohnen, die aber für mich da sind, wenn ich sie brauche.

Eine unsichtbare Verbindung, die stärkt, ist für mich auch das Gebet. In den vergangenen Wochen habe ich das immer wieder erfahren. Ich hab zum Beispiel während des Corona-Lockdowns immer abends eine Kerze angezündet und ein Vater unser gebetet. Viele andere haben das zur gleichen Zeit getan. Das hat uns miteinander und auch mit Gott verbunden. Auf einmal war trotz aller Distanz eine Gemeinschaft da – von außen unsichtbar, aber innerlich unglaublich stärkend.

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