Manuskripte

Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

28JUL2020
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Ich bin Patin einer kleinen Wiese. 100 qm voller Gräser, Klee und Ringelblume. Und vor allem mit jeder Menge Insekten. Ich freu mich jedes Mal, wenn ich spazieren gehe und „meine Wiese“ besuche.

Seit einigen Jahren ist vielen bewusst, wie wichtig diese kleinen Geschöpfe für uns alle sind und auch, dass weltweit die Vielfalt und die Zahl der Insekten dramatisch abnimmt. Es gibt weniger Schmetterlinge, Käfer und Bienen. Das hat Folgen für das Gleichgewicht in der Schöpfung. Jetzt spüren doch einige von uns, dass wir für unsere Natur verantwortlich sind und wollen was tun. Mir geht das auch so und ich bin dankbar, dass es Initiativen wie die der Blühwiesenpatenschaften gibt. So kann ich mich zumindest mit einem kleinen Beitrag beteiligen.

„Baden-Württemberg blüht auf“ heißt die landesweite Aktion, die vom Landesbauernverband initiiert wurde. Die Bauern wissen, wie viele Pflanzen davon abhängig sind, dass Bienen und andere Insekten sie bestäuben. Denn nur dann ist auch etwas da, was die Bauern ernten und was letztlich bei uns auf den Tellern landen kann. Und deshalb haben sich einige der Landwirte zusammengetan und überall im Land Blühstreifen zwischen den Ackerflächen angelegt.

Davon haben nicht nur die Insekten etwas. Auch ich kann die bunte Vielfalt zwischen den Feldern genießen. Wie schön unsere Welt sein kann!

Mit meiner Bewunderung bin ich nicht allein. Seit tausenden von Jahren sind Menschen von der Schöpfung fasziniert und viele erkennen in dem, was auf unserer Erde wächst und lebt, auch etwas von Gott. Von einem Gott, der für seine Geschöpfe sorgt und seiner Welt und uns Menschen zugewandt ist.

Darum geht es auch in einem Psalm, dem Psalm 104. Der Beter lobt die Welt als einen geordneten Lebensraum, in dem alles seinen Platz hat. In seinem Lobgesang stellt er fest: „Für das Vieh lässt du saftiges Gras wachsen und Getreide für den Ackerbau des Menschen. So wird Brot aus der Erde hervorgebracht und Wein, der das Menschenherz erfreut.“ (Ps 104,14f.)

Für alle ist genug zum Leben da. Doch es liegt an uns, dass wir unsere Natur nicht ausbeuten, sondern sorgsam mit ihr umgehen und das Gleichgewicht nicht völlig durcheinander bringen. Wenn wir jetzt schnell umdenken und anders handeln, dann haben auch noch die Menschen, die nach uns leben werden, die Chance, vor einer Wiese zu stehen und zu staunen wie vielfältig das Leben ist.

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