Manuskripte

SWR3 Gedanken

27JUL2020
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„Warte jetzt, dass mein Kaffeewasser heiß wird“.
Der Satz steht auf einem riesigen Fotoplakat. Zwei Männer auf Stühlen sind darauf. Ich sehe sie nur von hinten. Zwei normale Männer auf zwei normalen Stühlen.

Links und rechts davon an der Mauer hängen noch weitere Plakate. Mal sind zwei, mal drei Männer zu erkennen. Immer von hinten. Die meisten tragen Jogginghosen und haben sehr kurze Haare.

Dazwischen Sätze von ihnen. „Warte jetzt, dass mein Kaffeewasser heiß wird.“ Oder: „Heute Geburtstagsbrief an meine Tochter geschrieben.“ Daneben: „Mache mich für den Hof fertig, hab Schicht.“

Die Fotos sind Teil der Kunstaktion Strafraum; sie hängen am Freiburger Gefängnis. Hier sitzen die Männer mit den langen Haftstrafen, die schweren Jungs. Die dicken Mauern verhindern normalerweise jeden Kontakt. Wer hier seine Strafe absitzt, ist für die Menschen draußen unsichtbar.

Mit den Fotos wird deutlich: Hier leben Menschen. Menschen, die ihre Kinder lieben, Sport machen, ihre Zeit einteilen und ihre Strafe absitzen. Hinter den dicken Gefängnismauern leben Menschen, die wie alle ihre Würde haben. Gut, dass das jetzt auch von außen sichtbar ist.

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