Manuskripte

Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

29JUL2020
AnhörenDownload
DruckenAutor

Viele haben im Moment Urlaub. Urlaub, das ist ein Wort für eine Zeit, die anders als der Alltag ist. Das geht überall: Zuhause und ganz woanders. Urlaub, das heißt: Einfach dasitzen und nichts tun, Lesen, bis es dunkel wird, den Blumen beim Wachsen zusehen, sich aufs Rad schwingen. Eine andere Welt entdecken. Menschen kennenlernen.

In der Urlaubszeit finde ich auch Zeit über mich nachzudenken, mich zu spüren. Das machen Menschen, seit es sie gibt. In der Bibel heißt es in einem Lied: „Wenn ich zum Himmel sehe, Mond und Sterne sehe, die du gemacht hast, dann frage ich mich: Was ist der Mensch, dass du überhaupt an ihn denkst?“ (PS 8, 4-5)

Für mich ein echtes Urlaubs- und Sommerlied. Denn da habe ich Zeit, abends am Himmel ein unglaubliches Spektakel zu bewundern: Sterne ohne Ende, der Mond, Sternschnuppen, wenn ich Glück habe. Da fühle ich, was das heißt: „Was ist der Mensch, dass du überhaupt an ihn denkst?“ Angesichts der gigantischen Entfernungen von Sternen und Planeten, da komme ich mir unendlich winzig vor.

Ich glaube, dass das Leben jedes Menschen einen Sinn hat. Dass jedes einzelne Menschenleben wichtig ist. Aber der Himmel und die Sterne rücken die Maßstäbe zurecht. Sagen mir: Du bist nur ein kleiner Augenblick in dieser ganzen Geschichte des Universums. Angesichts des Himmels und der Sterne gibt es für mich eine Botschaft: Nimm dich nicht so wichtig.

Die Urlaubszeit kann eine Zeit sein, in der ich mir die Maßstäbe des Lebens zurechtrücke. Eine Zeit, in der frei davon werde, mich selbst für den Mittelpunkt der Welt zu halten.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=31265