Manuskripte

SWR3 Gedanken

10JUL2020
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Erst Rassist und dann eine 180-Grad-Wende und jetzt Kämpfer gegen rechts. Das hat Derek hinter sich. Derek ist ein weißer US-Amerikaner. Er ist heute 27 und bis zu seinem Studium war er eigentlich immer nur mit Leuten zusammen, die rassistisch denken. Für ihn war es normal Menschen in Rassen einzuteilen und andere zu unterdrücken, weil sie die falsche Hautfarbe haben oder Juden sind. Derek ist von seinen Eltern extrem rechts erzogen worden. Sie haben ihn sogar von der Schule genommen, weil es dort einen schwarzen Lehrer gab.  

Nach dem Schulabschluss zieht es Derek irgendwie an eine kleine Uni in Florida, obwohl er dort gar nicht hinpasst. Dort studieren junge Leute aller möglichen Nationen zusammen, nicht nur Weiße. Mathew ist einer der Studenten dort und Mathew ist strenggläubiger Jude – also eigentlich das Schlimmste für Derek.

Die beiden lernen sich kennen und Mathew kriegt schnell raus, dass Derek ein Rassist ist, ihn also hasst, einfach weil er jüdisch ist.

Genau an dem Punkt macht Mathew etwas Verrücktes: er lädt Derek zum Essen ein, und das nicht nur einmal. Und was genauso verrückt ist: Derek nimmt die Einladung an. Jede Woche, immer freitagabends, essen die beiden zusammen. Und Woche für Woche verändert sich etwas bei Derek.

Obwohl die beiden nie über Politik reden, denkt Derek langsam anders. Irgendwann brechen die ganzen Theorien in seinem Kopf zusammen. Er denkt nicht mehr rechts, jetzt denkt Derek frei.

Irgendwann entschuldigt er sich öffentlich für das, was er früher gemacht hat. Und er fängt wieder zu kämpfen an, dieses Mal aber gegen rechts. Derek ist heute einer der (!) amerikanischen Helden gegen Rassismus.

Aber in der Geschichte gibt es auch noch einen anderen Helden: Mathew. Der ist mindestens genauso wichtig. Nur weil er offen war und Derek in seine Küche geholt hat und zugelassen hat, dass die beiden sich überhaupt kennen lernen, nur deswegen konnte Derek sich ändern.

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