Manuskripte

SWR3 Gedanken

09JUL2020
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Es gibt mitten in der Corona-Pandemie etwas, was mir richtig Angst macht: wenn ich mir vorstelle wie sich das Coronavirus auf Lesbos ausbreitet oder in einem anderen Flüchtlingslager in Griechenland. Die Menschen dort können sich kaum wehren.

Sie leben viel zu eng aufeinander, da kann niemand wirklich Abstand halten. Von regelmäßigem Händewaschen ganz zu schweigen.

Corona ist längst in den griechischen Lagern angekommen und es kann gut sein, dass es gerade jetzt irgendwo dort zu den ganz großen Ausbrüchen kommt.

Ich finde es beschämend, dass sich Europa so wenig um diese Menschen kümmert. Gut, Deutschland hat vor ein paar Monaten ein paar Kinder da rausgeholt, aber das waren viel zu wenige. Warum schafft es Europa nicht diese furchtbaren Lager endlich aufzulösen?

Ich bin eine Europäerin und ich wollte irgendetwas tun für Lesbos. Ich habe im Netz etwas entdeckt. Das war ganz leicht und es hat ohne großes Geld funktioniert.

Ich musste nur möglichst viele selbstgenähte Masken auftreiben. Die habe ich für Lesbos gesammelt. Leider kann ich selbst überhaupt nicht nähen, aber ich kenne einige, die machen das mittlerweile aus dem Eff-Eff. Meine Tante zum Beispiel oder die Freundin meiner Mutter. Die haben sich für mich nochmal an die Nähmaschine gesetzt, beziehungsweise für die Menschen in den Flüchtlingslagern.

Dann habe ich nur noch das Päckchen gerichtet und weggeschickt. Alles andere machen die Leute von „europecares“. Auf Deutsch heißt das: „Europa kümmert sich“. Hinter dem Projekt „europecares“ stecken ein paar junge Europäer, denen Europa nicht egal ist. Sie sorgen dafür, dass die Masken wirklich auf Lesbos ankommen. Außerdem sammeln sie auch noch Desinfektionsmittel und Geld. Die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ steht hinter „europecares“, das gibt mir ein gutes Gefühl.

Und die Postadresse, wo das Päckchen mit den Masken hinmuss, die ist im Netz leicht zu finden. Stichwort: „europecares“.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=31233