Manuskripte

SWR3 Gedanken

06JUL2020
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„Kinder haben eine Lobby.“ Dieser Satz passt zu heute, dem 6. Juli 2020. Denn heute vor zwanzig Jahren hat der Bundestag ein Gesetz für die Kinder beschlossen. Im Gesetzbuch klingt das so:

„Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.“

Ich bin Mutter von drei Kindern und bei mir liegen die Nerven auch oft blank. Wenn ich erschöpft bin oder nicht mehr weiterweiß, dann kann es schon vorkommen, dass ich eins der Kinder mal kräftig anpacke oder sie alle drei einfach nur anschreie.

Wenn das passiert, dann denke ich an eine Geschichte von Astrid Lindgren. Die hilft mir, dass ich wieder respektvoller mit den Kindern umgehe. Die Geschichte bringt gut rüber, was in einem Kind vorgeht, wenn die Mama oder der Papa Gewalt anwendet.

Anna ist eine junge Mutter und sie lebt in einer Zeit, in der eine Tracht Prügel noch ganz normal war. Ihr kleiner Sohn hat etwas Schlimmes angestellt. Wie es so üblich ist schickt sie ihn in den Garten. Der Kleine muss dort einen Stock suchen, mit dem Anna ihn dann schlagen will.
Der Junge geht los und kommt erstmal lange nicht zurück. Irgendwann aber steht er weinend vor seiner Mama und sagt: „Ich habe keinen Stock gefunden, aber hier ist ein Stein, den kannst du ja nach mir werfen.“

Da muss Anna mit ihrem Sohn mitweinen, denn ihr ist plötzlich klar, was der Junge gedacht haben musste: „Meine Mama will mir wirklich wehtun, und das kann sie ja auch mit einem Stein.“
Anna nimmt ihr Kind dann in den Arm. Und den Stein legt sie ins Küchenregal. Seitdem erinnert er sie an das, was sich Anna an diesem Tag selbst versprochen hat: Niemals Gewalt!

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