Manuskripte

SWR3 Gedanken

05JUL2020
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Deutsche Soldaten, die im Ausland kämpfen, Panzer, Waffen, Bombenangriffe. Wenn ich das alles höre, weiß ich nicht, was ich denken soll. Da sind tausend Fragen in meinem Kopf. Einerseits stehe ich dem Militär sehr skeptisch gegenüber, andererseits weiß ich auch, dass eine realistische Politik auch ein Militär braucht.

Jetzt habe ich Andi kennengelernt.

Andi ist der Partner von meiner Freundin Katja. Ich bin gleich von ihm begeistert. Er ist ein netter Typ, ruhig, humorvoll und ausgeglichen. Auf meine Frage: „Und, was machst du beruflich?“, sagt Andi: „Ich bin Soldat. In den letzten Jahren war ich die meiste Zeit im Ausland: in Kabul, in Kunduz, am Schluss in Masar e Sharif.“

Ich bin perplex. Andi bei der Bundeswehr? Er wirkt gar nicht wie ein typischer Soldat. Oder besser so, wie ich mir einen Soldaten vorgestellt habe: ein harter Kerl, der ständig irgendwelche Kommandos gibt.

Andi erzählt, dass er Unteroffizier ist und dass er für vieles verantwortlich war, vor allem im Hubschrauber in Afghanistan. Da hat er seine Kameraden vom einen in den nächsten Einsatz geflogen oder er hat Verletzte ins Lazarett gebracht.

Ich freue mich, dass ich Andi kennengelernt habe. Ich glaube es hat sich bei mir was verändert, eben weil ich den Soldaten Andi jetzt kenne.

Ich bin immer noch kritisch und ich habe nach wie vor viele Fragen: Lohnt sich das alles? Das unendlich viele Geld, das für Rüstung ausgegeben wird? Ist es überhaupt richtig, wenn Andi und andere Soldaten in Afghanistan oder woanders kämpfen? Bringt das Frieden?

Andi sagt: „Genau diese Fragen stelle ich mir auch.“

Ich weiß jetzt, was sich bei mir durch Andi verändert hat: wir müssen an diesen Fragen dranbleiben. Denn nur wenn wir kritisch Fragen stellen, wenn wir nachdenken und miteinander reden, kann die Welt überhaupt zum Frieden finden.

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